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(USA 1995)
Das Dorf der Verdammten/El pueblo de los malditos/Neetute küla/Ondskans barn

Regie: John Carpenter


Darsteller: , , , ,


nach dem Roman KUCKUCKSKINDER von John Wyndham

 

 

„Aber sind welche unter uns, die keine eigene Seele haben? Oder einen Geist?
Sie haben einen einzigen Geist, den sie miteinander teilen.“

 

village1995 001Im kleinen Ort Midwich bereiten sich die Einwohner auf ihr Dorfjubiläum vor, als plötzlich alle dort in eine kollektive Ohnmacht fallen. Als der Dorfarzt Dr. Alan Chaffee von Besorgungen zurückkehrt, findet er Midwich durch Sicherheitskräfte abgeriegelt vor, denn jeder, der sich in einem bestimmten Radius um den Ort hineinbewegt, wird ebenfalls von der Ohnmacht heimgesucht. Der Einsatz wird geleitet von Dr. Susan Verner. Als nach sechs Stunden alle wieder erwachen, verschaffen sich Dr. Chaffee und Dr. Verner einen Überblick; Frank McGowan ist während des Blackouts mit seinen Auto in einen LKW gekracht und bei der Explosion seines Wagens gestorben und ein anderer Mann ist über seinem Grill liegend verbrannt, doch ansonsten scheinen alle Bewohner wohlauf zu sein. Kurze Zeit stellt Alans Frau Barbara fest, dass sie schwanger ist. Und damit ist sie nicht alleine, insgesamt sind zehn Frauen in Midwich schwanger, darunter auch die Teenagerin Melanie, die noch Jungfrau ist. Die Bevölkerung ist aufgebracht, doch Dr. Verner beschwichtigt sie in einer Versammlung, indem sie verspricht, dass die National Science Foundation alle Kosten für die pränatale Behandlung übernimmt und jeder werdenden Mutter 3000 $ an Unterstützung zukommen lässt. Die Geburten finden gleichzeitig statt, doch von den zehn Kindern überleben nur neun, Melanies Kind ist eine Totgeburt.

village1995 019Die Ärzte stellen nach einem DNA-Test fest, dass die Kinder genetisch nicht mit ihren Eltern verwandt sind und kommen zu dem Schluss, dass die Föten während des Blackouts in die Körper der Frauen eingepflanzt worden sind. Die Kinder bleiben trotzdem bei ihren Müttern, sie erweisen sich schon bald als außerordentlich intelligent. Sie entwickeln sich schnell und bei einigen Zwischenfällen mit ihren Ziehmüttern offenbaren sie telepathische Fähigkeiten, sind in der Lage anderen Menschen ihren Willen aufzuzwingen. Als Alans Tochter Mara, die sich als Wortführerin der Kinder herauskristallisiert, seine Frau Barbara dazu bringt, sich von einer Klippe zu stürzen, zieht er sich immer weiter zurück. Im Hintergrund diskutieren Vertreter der Regierung die Vernichtung der Kinder, doch Dr. Verner kann durchsetzen, zumindest noch eine zeitlang damit zu warten und ihre Entwicklung zu beobachten. Als die Gruppe der Kinder sich immer mehr von den anderen Kindern und ihren Mitmenschen absetzen, wächst der Unmut der Bewohner, gerade Pfarrer George wettert gegen diese aus seiner Sicht gottlosen Wesen. Auch die Kinder reagieren zunehmend aggressiv auf die Anfeindungen, nur David McGowan scheint anders zu sein...

village1995 002Das Drehbuch von David Himmelstein macht aus dem Sci-Fi-Chiller von Wolf Rilla einen handelsüblichen Horrorfilm, doch da der Regieposten an Horror-Meister John Carpenter ging, waren die in das Remake gesetzten Hoffnungen hoch. Umso ernüchternder fielen dann die Reaktionen auf den fertigen Film aus, dessen Produktion sich durch äußere Umstände als sehr schwierig herausstellte. Doch alleine damit lassen sich die in Aufbau, Ausführung und Casting begründeten Probleme nicht erklären, die den Film künstlerisch wie kommerziell zu einem Desaster werden ließen. Nachdem der Film am Box Office in den USA gnadenlos gefloppt war, kam es auf anderen Märkten, so auch in Deutschland und dem UK, gar nicht erst zu einem Kino-Einsatz, er geisterte dafür über diverse Film Festivals der alten Welt, die seine Reputation aber nicht verbessern konnten. Und so fristete er sein Dasein meist in Videotheken, Supermärkten oder frühen TV-Auswertungen.

village1995 014Das Drehbuch transformierte die Story nicht nur zu einem reinrassigen Horrorfilm, sondern griff zum einen auch Aspekte von Wyndhams Roman auf, die in Rillas Film verändert wurden, so z.B. dass die Kinder als Föten in ihre Leihmütter eingepflanzt wurden, also in keinster Weise mit ihren Eltern verwandt sind, und er entwickelte andere Ideen weiter, wie die des kleinen David, der nach dem Verlust seiner angedachten Partnerin bereits während der Geburt sich seinen Artgenossen nicht mehr so verbunden, nicht in deren Gemeinschaft zuhause fühlt, weswegen er offen für Diskussionen über menschliche Gefühle ist, um seine eigene Einsamkeit zu verarbeiten.

Dies hätte dem Film einen interessanten Anstrich geben können, doch leider sieht sich das Script dabei nicht genötigt, dies entsprechend einzubinden; ersteres findet nur in der (nicht vorhandenen) Beziehung der Redelsführerin Mara zu ihrem Ziehvater Dr. Alan Chaffee Ausdruck, die nach dem Motto „sprechen wir nicht darüber“ abgetan wird, letzteres lässt dann halt David ein wenig menscheln, hätte auch ersatzlos gestrichen werden können, da es für die Handlung vollkommen irrelevant ist.

village1995 004Zudem variiert der Umgang der Stadtbevölkerung mit den Kindern und den sie umgebenden Vorfällen; mal scheint sich keiner dran zu stören, mal hat man Angst, und ein anderes mal will der Mob gleich zu den Mistgabeln greifen. Der einzige, der diese Situation ab einem gewissen Zeitpunkt für nicht nur diskussionswürdig, sondern widerlich und abnormal hält, ist Pfaffe George, der es bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Sprache bringt, was aber scheinbar zuerst ungehört verhallt. Auch der Einfluss der National Science Foundation bleibt eher vage, es wird suggeriert, dass sie im Hintergrund versuchen, die Fäden zu ziehen, wenn Dr. Verner mit ihren namenlosen Kollegen die Entwicklung diskutiert. Und es langte, wie es scheint aus, die betroffenden Bewohner mit dem angebotenen Geld gefügig zu machen, um auch ihre Nachbarn und Verwandten ruhig zu stellen. Die Bedrohung einer etwaigen quasi-militärischen Intervention wäre plausibler gewesen. Aber so bleibt das Verhalten nahezu aller Beteiligten kaum nachvollziehbar.

village1995 005Ganz schlimm ist es anzusehen, wie das Script und der Film die Gruppe der Kinder darstellt. Waren sie im Original ein Gemeinwesen, gleichgeschaltet und unfähig zu Emotionen, sehen sie hier wie eine fiese Zickenclique auf der High School aus; sie schauen fies drein, gebärden sich rücksichtslos, es soll plakativ Antipathie gegen sie geschürt werden. Und dies klappt auch, man mag sie nicht. Das Problem, das sich dabei auftut, schadet dem Streifen als Horrorfilm wiederum enorm, denn die Kinder sind so unsympathisch, dass sie kaum noch angsteinflößend wirken können, zu sehr hat sich diese eindeutige Antipathie festgesetzt. Das Auseinandersetzung der Menschen mit den Kindern wird so, wenig bis gar nicht subtil, auf „Gut gegen Böse“ heruntergebrochen, nicht als Kampf gegen einen unerklärbaren Schrecken, der von den Kindern ausgeht. Es ist eine Entmysthifizierung, die dem ganzen den Schrecken nimmt, das geschehene relativiert. Wenn man jetzt wenigstens jemanden hätte, den man im Kampf gegen die Satansbraten anfeuern könnte, wäre der Film zumindest nicht vollständig den Bach runtergegangen.

village1995 015Aber das ist nun das nächste, was dem Film abgeht; es fehlt ihm an einem richtigen Helden, oder wenigstens einer zentralen Identifikationsfigur. Die einzige Person, die dem nahe kommt, ist die Witwe Jill McGowan, die ständig versucht, ihrem Ziehsohn, den in der Gruppe der Kinder isolierten David, menschliche Gefühle zu entlocken. Da dieser Story-Strang jedoch, wie schon erwähnt, an sich unerheblich ist, fällt sie als zentrale Identifikationsfigur aus.

village1995 025Diese Rolle fällt natürlich Dr. Alan Chaffee zu, doch seine Verweigerung, sich mit dem Selbstmord seiner Frau und dem Werdegang seiner Ziehtochter zur Ober-Bitch der Kuckuckskinder auseinanderzusetzen, und dass er noch nicht einmal in der Lage ist, beides in Bezug zu bringen, macht es einem schwer, wenn nicht sogar unmöglich, ihn zu mögen und mit ihm mitzufiebern. Wie soll man eine Figur ernst nehmen, die den Kindern (die er dann auch noch selbst unterrichtet) nur „ihr seid böse“ entgegenzusetzen hat.

Auch Christopher Reeves schien nicht viel mit der Figur anfangen zu können, schaut meist nur bedröppelt aus der Wäsche, kommt eher wie ein begossener Pudel denn hasserfüllter Witwer rüber. Reeves hatte hier sein Star-Appeal, das vor allem durch die Superman-Filme aufgebaut wurde, schon lange verloren (ich nahm bei der deutschen TV-Erstausstrahlung 1999 sogar wegen ihm auch an, dass es sich wohl um einen TV-Film handeln müsse).

village1995 019Er ist aber nicht der einzige, der hier fehl am Platze wirkt; was man sich beim Casting von Mark Hamill als Pfaffe gedacht hat, weiß der Teufel. Mit seiner Null-Mimik schlingert die Figur, die sowieso kaum mit Präsenz punkten kann, unweigerlich in die Bedeutungslosigkeit, man ist schon geneigt, ihm bei seinem auferzwungenen Selbstmord – einer Todsünde, die ihn direkt in die Hölle bringt, der Film hier auch nicht gewillt, näher darauf einzugehen, um eventuell Kapital daraus zu schlagen – anzufeuern.

Kirstie Alley gibt sich als undurchschaubare Dr. Verner zumindest bemüht, auch wenn ihre Motive diffus bleiben. Es wäre interessant gewesen, wenn der Film, wie es zwischendurch ein paar Mal angedeutet wird, ihre allmähliche Wandlung zu einem mentalen, kettenrauchenden Wrack näher thematisiert hätte, aber es interessiert hier schlicht nicht, weswegen ihr Abgang den Zuschauer letztendlich nicht im geringsten juckt.

village1995 006Die Rolle der Anführerin, dieses mal ein Mädchen, fiel an Lindsy Haun, die danach als Kinderdarstellerin durch einige Serien tingelte, aber nirgendwo bleibenden Eindruck schinden konnte, so auch hier. Als zweite gewichtige Kinderrolle ist hier Thomas Dekker als David McGowan zu sehen, der als jüngster der Rasselbande den besten Eindruck hinterlässt, da er auch die interessanteste, aber nebenher auch eher unwichtige Rolle des Außenseiters inne hat. Unter den Erwachsenen bleibt nur Linda Kozlowski positiv hervorzuheben, in der bereits oben angesprochenen Rolle als Davids Mutter Jill, die tatsächlich die einzige Person im gesamten Film ist, deren Werdegang menschlich interessieren könnte, wenn er denn etwas zur Handlung beitragen könnte. Sie macht einfach das beste daraus, und das ist mehr als man vom übrigen Haupt-Cast sagen kann. Ihr Ehemann, der schon früh verstirbt, wird übrigens von Michael Paré gespielt, sein durchaus vorhandenes Charisma damit zwangsläufig verschenkt.

Passt irgendwie.

village1995 024JOHN CARPENTER'S VILLAGE OF THE DAMNED, wie das Ding im Original heißt und die Reputation des Regisseurs als verkaufsförderndes Argument nutzen will, ist ein lieblos geschriebener und vollkommen spannungslos heruntergekurbelter Einheitsbrei, der sich noch nicht einmal entschließen kann, irgendeiner Idee oder nur Strömung der Geschichte konsequent nachzugehen. Die Schwierigkeiten beim Dreh, wo Anwohner gerne mal Sound-Takes durch laute Geräusche störten und auch die Filmsets über Nacht nicht unangetastet blieben, können nicht als Ausrede gelten, denn das Problem liegt schon in der Geschichte selber, die Art, wie sie angelegt ist, und das Unvermögen, sich für eine strikte Gangart festzulegen und die Figuren lebendig zu gestalten.

Die Universal Studios wollten mit Carpenter damals noch an weiteren Horror-Remakes arbeiten, so sollte er als nächstes eine neue Version von DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS/CREATURE FROM THE BLACK LAGOON (1954) drehen, doch nach dem Flop dieses Films wurden alle diese Pläne im Nu verworfen. Es ist natürlich müßig, hierbei „was wäre wenn“ zu spielen, aber als Fan des Horror-Klassikers von Jack Arnold kann man nur sagen: vielleicht war es besser so!


Horny


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