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(Deutschland 2018)

Geschichte, Drehbuch und Regie: Tilman Singer

Kamera: Paul Faltz

Musik: Simon Waskow

Darsteller: Luana VelisJohannes BeneckeJan Bluthardt

LUZ 007

Ein riesiger Wartesaal eines verlassenen Polizeireviers. Vorne ein in sich gekehrter emsig beschäftigter Pförtner. Eine recht desorientiert scheinende Frau kommt herein, zieht sich ein Getränk aus dem Automaten und schreit den Pförtner auf Spanisch an. Untertitel erklären: „Willst Du so Dein Leben verbringen?“ - Antwort auf Deutsch: „Ja“.

Schnitt – Opening Credits

LUZ 002Eine leere, ungemütliche Kellerbar. Neonlicht. Ein einsamer Trinker. Eine mysteriöse Frau spricht ihn an aus dem Nichts und erzählt von einer seltsamen Situation, die sie gerade im Taxi erlebte. Die Taxifahrerin heißt Luz und ist ihre frühere Mitschülerin, mit der sie sehr obskure Erfahrungen aus der Schulzeit teilt. Luz ist anscheinend während der Fahrt einfach ausgestiegen und abgehauen. Er ist Facharzt für Psychiatrie und die Frau im Polizeirevier ist tatsächlich Luz und seine nächste Patientin.

Die Frau und der Arzt trinken fleißig im Akkord und pushen sich zusätzlich mit anderen Dingen bis er vollkommen bedröhnt ist. Sie nutzt die Gelegenheit und lockt ihn in die Örtlichkeiten der Bar. Das schnelle Stelldichein bringt aber nur bedingt Befriedigung, denn die Dame entpuppt sich als von einem Dämon besessen, der seinerseits Gelegenheit nutzt und in den Arzt wechselt.

LUZ 009Im Polizeirevier dreht sich nun alles um die Frage, was im Taxi geschehen ist. Der Psychiater versetzt Luz in Hypnose und versucht die Taxifahrt mit Stühlen nachzustellen. Was als Gedankenexperiment startet, eskaliert dramatisch und Traum, Realität und Fiktion vermischen sich zusehends in einem bizarren Wechselspiel.

Atmosphärisch ist LUZ der Wahnsinn. Die statischen, grau wirkenden Bilder, der langsame Erzählfluss sowie die betont distanziert agierenden Figuren schaffen eine klaustrophobische Atmosphäre, die durch langatmige Total-Einstellungen in ironischer Weise noch verstärkt wird. Ein hypnotischer Soundtrack und klasse Schauspieler geben dem Ganzen einen passenden Rahmen.

LUZ 008LUZ ist so kraftvoll wie verwirrend. Es ist der Abschlussfilm von Tilman Singer von der Kunsthochschule für Medien in Köln. Der Film ist nicht wie heutzutage eigentlich üblich auf Video, sondern richtig konventionell auf 16mm Film gedreht. Das Drehen auf Film hat bekanntlich die Eigenart, dass das Ergebnis eben nicht wie beim Video sofort zur Verfügung steht und das Material darüber hinaus noch aus Budgetgründen zumeist sehr sparsam eingesetzt werden muss.

Bei der Produktion kann darum auch nicht ständig ausprobiert und nachgebessert werden, sondern man muss vorher exakt wissen was man will und es dann auf den Punkt genau umsetzen. Dies führt zu einer ganz anderen Spannung am Set und nicht zuletzt deshalb wird das Drehen auf diesem Medium gerne als die Krönung des Filmschaffens bezeichnet. Tilman Singer ist zumindest dem verfallen seit er damit zum ersten Mal arbeiten durfte.

LUZ 006Umso faszinierender ist hierbei der Fakt, dass für LUZ gar kein minutiös ausgefeiltes Drehbuch vorlag. Die Ideen wurden erst am Set finalisiert und dann umgesetzt. So etwas kann gewaltig in die Hose gehen, aber in diesem Fall hat es hervorragend funktioniert. So gut, dass man es dem Film ansieht! Ein klares Indiz für ein tolles Team bei der Produktion.

LUZ erzählt. - Aber eigentlich gar keine Geschichte, sondern bricht permanent mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers, der zwischen mehreren Ebenen und vielen Rückblenden hin und her geworfen wird. Dabei folgt die Dramaturgie im Prinzip eigentlich ganz konventionellen Regeln, stiftet aber durch die ungewöhnliche Erzählweise eine geradezu rauschartige Verwirrung.

Großartig zeigt sich dabei Jan Bluthardt als Arzt und Protagonist. Sehr wandelbar wechselt in kürzester Zeit sein an sich stoischer Charakter in jeglichen Gemütszustand zwischen betrunken und besessen. Aber auch die anderen Schauspieler wissen definitiv in diesem Kammerspiel zu gefallen, es waren offensichtlich alle zu hundert Prozent mit dabei.

LUZ 003Leider erweist sich das Ende wiederum als relativ schwach. Das schmälert den Gesamteindruck zwar nicht unbedingt, ist aber auch nicht wirklich befriedigend. Das ist eben die Kehrseite dieser Vorgehensweise. Aber einen klassisch unterhaltsamen Film wird und sollte auch niemand erwarten.

LUZ fasziniert eben mehr, als dass er unterhält, aber es ist schon wirklich beeindruckend wie lange und wie elegant er seine Spannung aufrechterhält. Siebzig Minuten sind diesbezüglich schon eine echte Hausnummer! Auf der anderen Seite bleibt er mit dieser Laufzeit auch angenehm kurz, so dass es nicht wirklich schwer fallen sollte dem Film eine Chance zu geben.

LUZ 010Regisseur Tilman Singer hat mit LUZ definitiv eine super Visitenkarte abgeliefert und ich freue mich schon jetzt auf zukünftige Werke von ihm. Vielleicht schafft er es ja, dem zur Zeit leider sehr weichgespülten Deutschen Kino neue Impulse zu geben.

Sören




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