Die Fürsten der Dunkelheit / El príncipe de las tinieblas / Paradigm (USA 1987) Regie: John Carpenter Drehbuch: Martin Quatermass (Ja, ich weiß!) Musik: John Carpenter, Alan Howarth Bauten: Daniel A. Lomino Darsteller: Donald Pleasence, Victor Wong, Lisa Blount, Peter Jason und Alice Cooper als “Street Schizo“
„Something like this can really fuck up your weekend...“
Naja, so schlimm ist es dann doch nicht mit John Carpenters erster Arbeit seines Deals mit ALIVE-Films, der ihm komplette künstlerische Freiheit bot, aber bei mir wollte sich schon damals bei der Europa-Premiere in Brüssel nicht wirklich ein „Jauchzen und Frohlocken“ einstellen. Damals war ich zwar noch kein zynischer alter Mann, aber trotzdem verwechselte ich – im Gegensatz zu den meisten Filmfans – Carpenter nicht mit einem anderen Zimmermann mit den gleichen Initialen. Sicherlich – „Halloween“ war sozusagen eine echte Suspense-Maschine gewesen (speziell im Kino), mit „Dark Star“ hatte er sowohl meine Science-Fiction Ader als auch meinen Hang zur Ironie gekitzelt, „The Thing“ war selbst damals für mich bereits ein Klassiker des Horrorfilms und „Assault“ und „Escape from New York“ hatten neue und revolutionäre Aspekte in das stagnierende Genre des Actionfilmes gepumpt. Aber bereits „The Fog“ erschien mir ein wenig unausgewogen, „Starman“ habe ich erst im Laufe der Jahrzehnte wirklich lieb gewonnen, von „Big trouble in little China“ war ich – gerade als Fan der 70er Jahre Eastern, die er dort parodierte – ein wenig enttäuscht und über die Auftragsarbeit „Christine“ sollte man besser das Mäntelchen des Schweigens legen.
Da war man, das gebe ich gerne zu, natürlich schon gewaltig gespannt und erwartete das Unmögliche, denn auch wenn ich mir meinen kritischen Blick auf Carpenters Arbeiten trotz allem Hype bewahrt hatte, so sah ich ihn natürlich nicht als einen schlechten Filmemacher an. Ein wenig überbewertet und vielleicht etwas zu sehr von sich selbst überzeugt, aber dass JC Talent hatte war mir natürlich auch klar. Obwohl ich die Geschichte bei einem mehr als 30 Jahre alten Film als bekannt voraussetzen kann, hier mal ein kleiner spoilerfreier Überblick.
Carpenters Drehbuch, dass er unter dem Namen „Martin Quatermass“ verfasst hat, ist, nicht nur in dieser Hinsicht, eine Hommage an die klassischen Science Fiction Filme der 50er und 60er und wird dann besonders interessant, wenn es sich damit beschäftigt, die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Problem zu analysieren. Die Szenen zwischen Wong und Pleasance, in denen sie darüber diskutieren, was sich denn nun wirklich in dem Container befindet oder in denen sie neu gewonnene Erkenntnisse immer sowohl von der metaphysischen als auch von der rein rationalen Seite betrachten sind großartig.
Hmhh, komme ich hier etwa ins Schwärmen? Aber ich habe die tollen Sets von Daniel A. Lomino, die wunderbare Ausleuchtung (ein Kirchenschiff, das nur von Kerzen erleuchtet ist) oder die typische Art und Weise wie Carpenter das Breitwandbild füllt und die – wie üblich ohrwurmige – Musik noch gar nicht erwähnt. Aber...trotzdem springt der Funke auch jetzt, nach mehr als 30 Jahren, nicht wirklich über. Zwischen all den gelungenen Momenten und der, speziell zum Ende hin, nahezu hitchcockschen Spannung, gibt es diese Augenblicke, in denen der Film richtig daneben haut.
„This is Caca!....Caca.“
Und jetzt – weitere 30 Jahre später – wirkt Carpenters „gewollte“ Liebeserklärung widerum auf uns unfreiwillig komisch und reisst den Zuschauer halt immer wieder aus dem Film heraus. Zusätzlich gibt es natürlich auch noch die faustgroßen Drehbuchlücken, die mich schon damals abgestoßen haben.
Zusätzlich beginnt man sich schon einige Minuten nach der Vorstellung der jungen Charaktere daran zu zweifeln, ob sie eine andere Daseinsberechtigung haben, als den Bodycount hochzutreiben. So hat zum Beispiel „Susan, Radiologist, Glasses“ (um mal einen der Running Gags zu zitieren) weder die passende Ausrüstung für ihre mehrfach wiederholte Jobbeschreibung zur Verfügung, noch trägt sie irgendwas zur Lösung des Problems bei. Unzweifelhaftes Highlight in dieser Beziehung ist dann die „unendliche Wand“ die noch dazu in einen der dümmsten Anschlußfehler der Filmgeschichte kulmuliert, der dann auch noch zwei Mal wiederholt wird[3].
Alles in allem überwiegen natürlich die Szenen, in denen Carpenter seinen einzigartigen Stil zur Geltung bringen kann und die ich ja oben bereits eingehend gelobt habe, aber spätestens beim fünften musikalischen Jump-Scare und bei der vierten Szene, die im Aufbau 1:1 aus „Assault“ stammen könnte, wünscht man sich selbst da mehr Kreativität. „Prince of Darkness“ ist somit sozusagen ein „Carpenter-Film“, aber eben kein wirkliches „Meisterwerk des Horrors“, zu dem es mittlerweile im Zuge der Retrowelle hocherinnert wird.
Sicher, er steht hier bei mir demnächst auch auf BluRay zwischen den anderen Carpenters, aber eher, weil er da hin gehört. Sicherlich werde ich dann auch Mal die ein oder andere Szene nochmal anspielen, aber komplett? Vielleicht in dreißig Jahren nochmal.
STUDIOCANAL hat den Film am 8. November (zusammen mit „The Fog“ und „They live!“) in einer auf der komplett neuen 4K-Restaurierung basierenden Fassung[4] veröffentlicht. Zusätzlich zum limitierten (und höchstwahrscheinlich bereits ausverkauften) 4K-Steelbook, auch als Doppel-BluRay und sogar DVD. Obwohl mir nur letztere vorlag kann ich zumindest sagen, dass ich den Film zum letzten Mal im Kino in dieser Farbqualität gesehen habe. Das ist jetzt ausnahmsweise nicht ironisch gemeint, ich habe natürlich Ausschnitte aus dem Film im Laufe der Jahrzehnte immer wieder mal gesehen. Man besucht jemand und der Film läuft gerade auf VHS, man bleibt beim Zappen hängen, weil man gleich weiß „da läuft ein Carpenter“ oder man zappt sich durch die eigene DVD, deren Extras man mittlerweile auswendig kennt um einen Alice Cooper Screenie zu schiessen. Aber diese Restauration ist absolut gelungen, die BluRay bereits bestellt. Als Extras bieten alle Versionen das gleiche Paket an, wofür STUDIOCANAL mal wieder ein dickes Danke verdient hat. Manche Dinge sind halt nicht selbstverständlich heutzutage. Schick geschnürt ist dieses Päckchen dann auch noch und bietet zuerst einmal einen Audiokommentar mit John Carpenter und Darsteller Peter Jason, ein gutgelauntes Gespräch zweier Freunde, mit mehr oder weniger netten Anekdoten aus der gesamten ALIVE Phase.
Bei „Sympathy for the devil“ handelt es sich um ein aktuelles (Januar 2018) zehnminütiges Interview mit John Carpenter, in dem er recht genau darlegt, was er mit dem Film erreichen wollte. Ein besonderes Schmankerl ist die Episode der TV-Serie „Horror´s hallowed grounds“ in der Host Sean Clark die Drehorte des Filmes besucht und dabei überraschende Entdeckungen macht. Das „Intro“ von John Carpenter ist ein Interview aus dem Jahr 2003, dass ich bereits auf einer alten DVD gesehen hatte, ebenso wie die „Scene Analysis“ bei der JC die Schlußszene des Filmes erstmals nach 15 Jahren wieder sieht und versucht etwas dazu zu sagen. Nicht sonderlich erfolgreich, aber eine schicke Rarität, die es verdient hat aufbewahrt zu werden.
Zusammenfassend also ein Paket, das jeden Carpenter-Fan (selbst mit kleineren Geldbeuteln) glücklich machen sollte und dank der exzellenten Bildqualität und den wirklich tollen Extras werde selbst ich ihn ab morgen (so DHL will) im Regal stehen haben. dia
[1] Der im Übrigens normalerweise etwas anders gelagerte Filme herausbrachte, wie z.B. den großartigen „The Whales of August“ (1987), der sowohl Vincent Price, als auch Lilian Gish und Bette Davis in großartigen späten Rollen bietet. Nur mal so als Tipp. J [2] Er war tatsächlich nur eher „zufällig“ und als Besucher und Carpenter-Fanboy am Set und wurde dann gleich eingespannt. [3] Wie gesagt, keine Spoiler hier, all das können wir im Forum diskutieren. [4] In USA Anfang des Jahres bei Shout Factory! erschienen
|
- Hauptkategorie: Film