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(USA 1976)
DIE INSEL DER UNGHEUER


Regie: Bert I. Gordon

Darsteller: Marjoe Gortner, Pamela Franklin, Ralph Meeker, Jon Cypher

Special Effects: Rick Baker (uncredited)

Visual Effects: Bert I. Gordon

Drehbuch: Bert I. Gordon

Buchvorlage: H.G. Wells

 

 

„Wissen Sie, ich habe mir oft die furchtbarsten Todesarten vorgestellt.
Ich glaube, da hat meine Fantasie mir oft einen Streich gespielt.
Aber dass man aufgefressen werden könnte von Ratten...“


food of the gods 002Die drei gestandenen Football-Profis Morgan, Brian und Davis entscheiden sich, für ein Wochenende auszuspannen und auf einer kleinen Insel vor der kanadischen Küste bei einem Jagdausflug hoch zu Ross durch das Unterholz zu galoppieren. Als Davis dabei von seinen Kumpels getrennt wird und vom Pferd fällt, sieht er sich plötzlich riesigen Wespen gegenüber, die prompt über ihn herfallen. Als Morgan seinen Freund findet, sind die Viecher verschwunden, aber dieser mit Gift vollgepumpt und aufgedunsen. Er reitet zu einer nahe gelegenen Farm, wo ihm beim Haupthaus keiner öffnen mag. Als er die Stallungen erkundet, trifft er auf einen zwei Meter hohen Hahn, dessen Annäherungsversuche er sich gerade so mit einer Mistgabel erwehren kann. Das hat auch die Aufmerksamkeit von Mrs. Skinner auf sich gezogen. Sie zeigt sich nicht besonders hilfsbereit, aber zumindest auskunftsfreudig, und da ihr Mr. Skinner gerade auf dem Festland verweilt, empfiehlt sie ihm im kleinen Küstenort Hilfe zu suchen, da sie auch kein Telefon besäßen.

food of the gods 006Er kann ihr noch entlocken, dass Tiere ihren Riesenwuchs einem Nahrungszusatz verdanken, der hinter dem Haus, quasi gottgegeben, aus dem Boden quillt. Für Davis kommt eh jede Hilfe zu spät, und so bleibt ihnen nichts weiter übrig, als seine Leiche ans Festland zu bringen. Über den Rest vereinbaren sie zu schweigen, da ihnen sowieso niemand glauben würde. Die Autopsie ergibt, dass die Konzentration an Wespengift im Körper des Freundes der von 150 Stichen entspricht.

Sie kehren darauf auf das Eiland der Monster zurück, um der Sache auf den Grund zu gehen. Auf der Farm der Skinners haben sich inzwischen der schmierige Bensington und seine Sekretärin Lorna eingefunden, um mit Mr. Skinner über die wundersame Schlacke zu verhandeln. Bensington will das Wachstumsmittel industriell einsetzen und hat schon Dollar-Zeichen vor den Augen. Doch auf den Farmer können sie lange warten, denn der wurde bei seiner Ankunft von monströsen Ratten getötet, die auch in der Nacht über die Riesen-Hühner aus dem Hause Skinner hergefallen sind.

food of the gods 008Die Fünf sitzen auf der Farm förmlich auf den Präsentierteller und es gibt keine Möglichkeit, die Insel vor dem nächsten Morgen zu verlassen. Zu ihnen gesellt sich auch noch ein junges Pärchen, Thomas und seine hochschwangere Freundin Rita. Doch zum Glück ist Morgan der einzige Football-Spieler der Welt, der während seiner College-Zeit anscheinend keine Sekunde des Unterrichts, vor allem Naturkunde und Physik, verpasst hat, und schon an einem Plan tüftelt, die mörderischen Ungeheuer loszuwerden...

Bert I. Gordon war schon in den 50er-Jahren emsig dabei, auf der Welle der schnell heruntergekurbelten und billig produzierten Monsterfilme mit zu surfen, und seine Filme zeichneten sich vor allem durch riesige Monstren aus, meist reale Tiere oder auch Menschen, die via Rückprojektion als riesenhafte Wesen die Welt um sie herum in Angst und Schrecken versetzten. In DER KOLOSS (1957) und GIGANT DES GRAUENS (1958) ist es der durch einen Unfall bei einem Bombentest auf riesige Größe angewachsene Lieutenant Manning, der mit seiner abnormen Gestalt hadert, DIE RACHE DER SCHWARZEN SPINNE (1958) bietet eines der beliebten achtbeinigen Monster auf, das teuflisch Teenager vom Tanzen abhält. Doch es ist nur ein kurzer Trend, nach ATTACK OF THE PUPPET PEOPLE (1958) mit John Agar, den vierten Film, den er für Samuel Z. Arkoffs American International Pictures gedreht hat, ist schon wieder mit den Monsterheulern Schluss, und Gordon wendet sich anderen phantastischen Stoffen zu.

food of the gods 020Aber schon Mitte der 60er juckt es den Filmemacher wieder in den Fingern und er nutzte den Deal seiner neuen Produktionsfirma Berkeley Productions mit Embassy Pictures, um mit VILLAGE OF THE GIANTS (1965) wieder riesenhafte Gestalten auf die Leinwand zu projezieren. Der obskure Film, der eine Mischung aus den damals angesagten “Beach Party Movies” mit dem Monster-Thema darstellt und lose auf H.G. Wells' dreiteiligen Roman THE FOOD OF THE GODS AND HOW IT CAME TO EARTH (1904) basiert, lief seinerzeit eher erfolglos in den Lichtspielhäusern, entwickelt sich im Laufe der Zeit, wohl auch weil der Cast illustre Name wie Ron Howard und Beau Bridges listet, zu einem kleinen Kulthit. Der Film mit seinen herumtollenden Teens und tanzenden Riesen ist als MST3K-Version (so etwas wie ein amerikanischer Vorläufer zu SchleFaZ) übrigens hier auf YouTube zu finden.

Mitte der 70er sind es wieder Samuel Z. Arkoff und American International Pictures, die ihm ermöglichen eine weitere Bearbeitung des Stoffes vorzunehmen. Und dieses Mal geht Bert I. Gordon in die Vollen und räumt den riesenhaften Viehzeug geradezu gigantisch viel Platz ein.

food of the gods 019In zahlreichen Szenen ziehen zahllose Riesen-Ratten gegen die missmutigen Menschen auf der Insel zu Felde. Und unsere Artgenossen (also die Menschen, nicht die Ratten) sähen auch ziemlich alt aus, gebe es nicht den größten aller Helden, den unbeschreiblichen Marjoe Gortner, der einige Jahre später noch Weltraum-Fiesling Joe Spinell in seine Schranken weisen sollte, und dass, obwohl ihm dort der dumpf-dämliche David, Prinz der Hasselhöffe, am ledernen Rockzipfel hängt. Auch hier ist er fit in Körper und Geist, neben seiner Kampfkraft (er boxt heldenhaft Ratten weg), seinem Sexappeal (Lorna schwirrt nichts anderes im Kopf rum, als mit ihm in die Federn hüpfen zu wollen) wissen auch seine Kenntnisse in angewandter Physik (wie baue ich einen Starkstromzaun?) und Tierkunde (riesige Ratten müssen erst einmal schwimmen lernen, was bei dem Gewicht und dem dadurch fehlenden Auftrieb gar nicht so einfach ist) einen in Staunen zu versetzen.

food of the gods 022Marjoe ist einfach eine Allzweck-Waffe, egal ob es um den Kampf gegen riesige Nager, gegen die niedrige Geburtenrate oder den sinkenden IQ des durchschnittlichen Nordamerikaners geht. Und wenn der ihm kontrastierende Unsympath von Manager in Form von Ralph Meekers Bensington dann auch noch so schön eklig ist, während dessen Sekretärin (die der natürlich auch schmierig anschleimt) ihn als Göttergeschenk, dass er nunmal ist, entsprechend anhimmelt, dann glänzt sein Stern umso heller. Warum haben nur Regisseure wie Gordon oder Cozzi erkannt, welch Potenzial in dem ehemaligen “Miracle Child” schlummert, das schon als 4-jähriger die Herzen (und Geldbeutel) der Menschen inspiriert hat, dessen Leben in MARJOE (1972), wo er sich selbst spielt, porträtiert wurde? Für den Zottelkopf geht es in den 80ern jedenfalls nach FALCON CREST und endet als Antagonist “The Cobra” in AMERICAN FIGHTER III (1989); von Mini-Rollen in Willy Bogners Revue auf Skiern, FEUER, EIS & DYNAMIT (1990), und in Walter Hills WILD BILL (1995) mal abgesehen.

food of the gods 010Und kann denn jetzt der Film mit diesem hellen Helden und dem vielen, fiesen Viehzeugs vollends verzücken? Der Cineast wendet sich wohl mit Grausen ab, aber wir machen uns ja auch nicht für jeden Ackermann zum Affen. Es darf auf jeden Fall vermeldet werden, dass in Rudel auftretende und sich gern in den sumpfigen Stumpfsinn saufende Schrott-Gourmets hierin durchaus Amüsement finden werden, denn die sich vor ihren verzückten Augen ausbreitenden, liebevoll in schnuckeligen (und wirklich gar nicht mal schlechten) Miniaturen herumstaksenden, Nagetiere waren schon damals halt ein alter Hut, die Rückprojektionstechnik in dieser Form nicht mehr state-of-the-art. Kombiniert mit eher schlechten Props der Tierköpfe für die Interaktionen mit den Darstellern, vorwiegend wenn letztere zu Lebendfutter verkommen (bis auf Gortner, versteht sich), ergibt sich ein weniger schmeichelhaftes Gesamtbild; realistische Animatronics waren da halt noch Zukunftsmusik. Auch das Genre des Monster-Horror nach Ausrichtung der seligen 50er-Jahre war eigentlich schon lange tot (Ausnahmen wie der eher peinlich-lustige OKTAMAN von 1971, an dem auch ein junger Rick Baker mitwirkte, bestätigen die Regel), das geneigte Publikum guckte lieber asiatischen Männern in Monster-Anzügen beim Wresteln zu, was sich Kaiju nannte.

food of the gods 016Aber 1976 war ein Jahr der Möglichkeiten (schließlich brachte es ja auch mich hervor), American International Pictures machte am Kino mit dem Film Kasse, und am Ende des Jahres stapfte ein alter Bekannter, KING KONG, einer schreienden Jessica Lange hinterher und trieb die Zuschauer in Scharen ins Kino. Ein drolliges Jahr, in der Tat. Samuel Z. Arkoff wollte auf jeden Fall die Gunst der Stunde nutzen und brachte weitere Stoffe von H.G. Wells ins Kino; es folgten 1977 der ungleich teurere und eher haarige DIE INSEL DES DR. MOREAU von Don Taylor und Bert I. Gordons IN DER GEWALT DER RIESENAMEISEN mit Joan Collins. Und damit war es auch schon zuviel des Guten, ein Film, in dem Rick Baker Barbara Carrera langsam in eine Raubkatze verwandelt, lässt man sich ja noch gefallen, aber die Nervensäge Joan Collins auf unschuldige Riesenameisen, die nur die Menschheit unterjochen wollen, loszulassen, geht halt nun mal gar nicht.

Ach ja, 1989 drehte der Kanadier Damien Lee noch das In-the-name Sequel FOOD OF THE GODS II, bei uns DIE STUNDE DER RATTE, in dem sich mutierte Nager über die Anwesenden einer Synchronschwimmmeisterschaft hermachen. Wenn ihr mich fragt, selbst schuld, die hätten ja auch was vernünftiges lernen können; etwa Toilettentieftauchen.


Horny

 

 

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