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Wie Superman Deutschland eroberte

oder

Die Supergeschichte der deutschen
Superman-Comics

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Teil 1: die 60er Jahre

Einleitung

Kal-El, der Sohn des Jor-El, der als Baby der Vernichtung seines Heimatplaneten Krypton entgangen ist, wird auf der Erde vom Farmerehepaar Kent gefunden und als ihr eigenes Kind aufgezogen. Schnell stellt sich heraus, dass der kleine Fratz Superkräfte hat – der Rest ist Geschichte, eine Geschichte, die in den USA bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts begann und somit die Grundlage für ALLE heutigen Superheldenexzesse bildet.

supermann

Auch der zweite große Held der „Detective Comics inc.“ der Fledermausmann mit dem Trauma seiner verlorenen Eltern und den unglaublichen detektivischen Fähigkeiten, der einige Jahre später erfunden wurde, erwies sich als großer Erfolg für den Verlag, der sich Ende der 60er Jahre dann in DC-Comics (also „Detective Comics Comics“) umbenannte.

Schon in ihrer Frühzeit hatten die Helden von DC mit einem Konkurrenten zu kämpfen, der Comics wie „Captain America“ und „The green Lantern“ herausbrachte, hatte allerdings bis zu Beginn der sechziger Jahre immer ein wenig die Nase vorn.

Hierzulande mussten Kinder lange auf US-amerikanische Superheldenware verzichten. In den 30er und 40er Jahren, in denen der amerikanische Captain und Superman auch gerne mal Nazis jagten und Adolf Hitler eine auf den Schnauzbart gaben, war solcherlei Unterhaltung logischerweise nicht sonderlich erwünscht und in den 50ern war das Land mehr damit beschäftigt die Trümmer des „Vogelschisses“ zu beseitigen, der die Welt ins Chaos gestürzt hatte.

Sicherlich gab es damals bereits zwei Mal den Versuch den „SupermanN“ an den Mann zu bringen. Zuerst einmal eine kurze, nur drei Hefte umfassende, „Supermann“-Serie aus dem Jahr 1950 die im gleichnamigen Verlag erschien und einige Storys in schwarzweiss präsentierte und dann nahm der Hethke-Verlag 1954 auch noch einige Geschichten um den Stählernen in seiner Serie „Buntes Allerlei“ auf. Beide Projekte (in denen aus Clark Kent unter anderem Karl Kent wurde) waren allerdings nicht sonderlich erfolgreich und trafen scheinbar nicht den Geschmack des deutsches Wohlstandswunderlandkindes.

Erst im Jahre 1966 erbarmte sich der Ehapa-Verlag aus Berlin und begann mit der Publikation „klassischer“ Superman-Geschichten in einem gleichnamigen Heft. Relativ gleichzeitig begann auch der BSV-Verlag in Aachen (später Williams) mit der Veröffentlichung einiger Marvel-Serien.

x männerDa ich zu dieser Zeit gerade einmal 4 Jahre alt war, habe ich persönlich davon natürlich wenig mitbekommen, meine große Superheldenzeit begann Anfang der 70er Jahre – da aber richtig. Ich besaß alle Superman/Batman-Jahrgänge von Mitte 1969 – 1980 komplett, zusätzlich natürlich auch alle Nebenserien und Alben und hatte nahezu alle Gutscheine aus den Heften bereits in Poster, Sammelwimpel, Aufkleber und was es noch so alles an „Gratis“-Geschenken gab umgemünzt[1].

Außerdem hatte ich natürlich noch fast alles, was Williams im Zuge seines kompletten MARVEL-Reboots Anfang der 70er herausgebracht hat sowie Zack, und sämtliche Lustigen Taschenbücher in der Erstauflage. Man kann also schon sagen, dass ich ein früher Comicsammler war und tatsächlich habe ich in meiner Kinder- und Jugendzeit Massen an Papier geschleppt (Zeitungen) um mir wöchentlich mehrfache Kinobesuche UND halt Massen an Papier (Comics/Bücher) leisten zu können. Nebenher war auch mein Oma-Einkaufsservice recht erfolgreich.

Diese wunderschöne Sammlung toter Bäume wurde allerdings im Jahre 1994 im Zuge eines Abwasserrohrbruches in pulpige Schei*e verwandelt, was bis heute zu einem der schockierensten Erlebnissen meines Lebens zählt.

Aber irgendwann Ende 2018 überkam mich der Wunsch nochmal in alten „Supies“ zu blättern. In Ermangelung der nötigen finanziellen Mittel, die zu einem kompletten Neukauf vonnöten gewesen wären (da kann man schon alternativ einen Mittelklassewagen von kaufen), suchte ich mal ein wenig in den Tiefen des Internetzes herum und wurde fündig. Ein privater Sammler[2] erklärte sich bereit, mir seine privaten Scans der kompletten Reihe leihweise zur Verfügung zu stellen wenn ich daraus „was Schönes“ machen würde.

Also denne...

 

Teil 1
1966-1969

„Lois liebt Supie“

 

Eigentlich ist es schon erstaunlich, dass Superhelden hierzulande bis zur Mitte der sechziger Jahre überhaupt noch nicht wirklich angekommen waren.

nickEs war ja nicht so, dass es in Deutschland keine Comics gegeben hätte. Da waren zum Beispiel die von Hansrudi Wäscher gezeichneten (und immer gleich aussehenden) Mammut-Serien „Sigurd“/„Falk“ (Ritter/Prinz Eisenherz),  „Nick“ (SciFi), „Akim“ (später „Tibor“ ein deutlicher Tarzan-Abklatsch) und Kaukas diverse „Fix und Foxi“-Veröffentlichungen, aber weltbewegend war das auch nur in der Beziehung, dass Hansrudis unglaublicher Schaffensdrang ihm einen Eintrag im „Guiness book of records“ eingebracht hat. An ausländischer Ware wurden dem Kunden italienische Piccoloheftchen, US-Übernahmen von TV-Comics und Illustrierten Klassikern und natürlich die Maus aus dem Hause Disney geboten. Einzig und alleine der „Phantom“-Streifen im Express erinnerte an Superheldentum.

Was nun genau dafür gesorgt hat, dass die spandexbekleideten Weltenretter nach Deutschland kamen ist nicht hundertprozentig zu ermitteln, Tatsache ist, das die beiden amerikanischen Marktführer fast gleichzeitig hier ihr Debut feierten.

Der Bildschriftenverlag (BSV) aus Berlin, der zuvor vor allem deutsche Ausgaben der „Classic Illustrated“ (als „Illustrierte Klassiker“) veröffentlicht hatte, startete die Serie „HIT-COMICS“, die mit einer Ausgabe von „Die Spinne“ begann und dann abwechselnd immer auch Geschichten der „Fantastischen Vier“ (sowie in späteren Jahren auch „Die Rächer“, „X-Männer“ und andere) präsentierte. Die Hefte hatten jeweils 64 Seiten, präsentierten also 3 komplette Geschichten, waren aber leider nur in schwarzweiß gehalten. Hier entschied man sich dazu recht aktuelles Material aus den USA an den deutschen Michel zu bringen, was zwar dafür sorgte, dass man die großartigen Zeichnungen von Kindheitshelden wie Jack Kirby zu Gesicht bekam, allerdings auch einiges an Verwirrung verursachte, da natürlich die „Origin-Stories“ der jeweiligen Helden außen vor blieben und zusätzlich die einzelnen Geschichten einfach zusammenhanglos aus dem kompletten Fundus des Verlages ausgewählt wurden, ohne chronologische Zusammenhänge oder Entwicklungen der Charaktere zu berücksichtigen.

supie01 1966Beim Aachener Ehapa Verlag, der damals dank der Maus aus dem Hause Disney Marktführer auf dem Comicmarkt war, entschloß man sich zu einer anderen Politik. So begann das „Superman“ Heft 1 vom Oktober 1966 dann auch direkt mit einer Geschichte namens „Die Superman-Story“, die auf 13 Seiten tatsächlich einen recht runden Werdegang des Stählernen präsentierte. Zwar handelte es sich deutlich um ein Comic der mittleren 50er Jahre (was vor allem an den reichlich naiven Darstellungen vom Leben auf Krypton deutlich wurde), aber zumindest wurde man nicht einfach ins Geschehen geworfen, ohne die Hauptfiguren überhaupt kennengelernt zu haben. Auch wenn die Übersetzung teilweise recht „kindisch“ und simpel war, so ermöglichte dieser Einstieg doch zumindest auch den nur „Nick“ und „Sigurd“ gewohnten Leser sich mit diesem neuen – und sicherlich komplexeren – Charakter anzufreunden.

Auch die zweite Geschichte im Heft griff dieses Vorstellungsthema wieder auf und erzählte „Wie Clark Kent Reporter wurde“. Aus heutiger Sicht ist diese kleine Story allerdings etwas fragwürdig, denn zumindest eine der sensationellen Geschichten, die Clark/Superman benutzt um Herausgeber Perry White um den Bart zu fahren hat er selbst getürkt. Journalistische Integrität sieht anders aus mein lieber Herr Kent.

supie01 1966 03Im dritten Comicauftritt bekommt es Supie dann auch erstmals mit einem richtigen Gegner, einem grünsüchtigen Monster aus dem Weltall, zu tun. Eine herrlich absurde und – typisch für die Superman Comics der 50er und 60er Jahre – komplett sinnbefreite kleine Geschichte mit einer ziemlich  vorhersehbaren und nur leidlich spannenden Auflösung.  

Die restlichen vier Ausgaben des Jahres kümmerte sich Ehapa dementsprechend (neben einer kurzen Episode mit Supergirl) auch vorwiegend darum wie Superman seine diversen Freunde kennenlernte und bediente sich dafür vorwiegend aus den US-Serien „Supermans Girlfriend Lois Lane“ und „Supermans Friend Jimmy Olsen“, die vor allem durch ihre Naivität und dadurch auffielen, dass Supie selbst eher zum Nebencharakter degradiert wurde.vorhersehbaren und leidlich spannenden Auflösung.

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Wo in den USA diese beiden Nebenreihen dazu benutzt wurden, um dem damals schon recht großen Comichelden neue Leserschaften (hier offensichtlich Teenager beiderlei Geschlechtes) zuzuführen, waren sie – ob ihrer recht einfachen Storylines und der recht simplen Gestaltung – tatsächlich sehr passend, um den Helden in einem Land einzuführen, in dem der Begriff „Supermann“ doch noch, dank des Schnauzbartträgers aus Österreich und seiner Vision vom arischenSupermenschen, eher negativ behaftet war.

Mit dem zweiten Heft des Jahres 1967 (in dem auch bereits der Erscheinungsrhythmus auf 14-tägig umgestellt wurde) tauchte dann zum ersten Mal in der deutschen Comicgeschichte auch Batman auf. Zumindest in etwa, denn bei der Story „Wie Superman und Batman sich erstmals trafen“ handelt es sich tatsächlich um eine Superboy-Story, in der der junge Clark Kent zufällig in Smallville auf einen ebenso jugendlichen Bruce Wayne trifft. Der Fledermausmann selbst (und sein Ziehsohn Robin) taucht tatsächlich nur auf, weil der gute Clark bereits im Teeniealter ein „Zeitteleskop“ gebaut hatte mit dem er ihn heimlich beobachten konnte, was natürlich die Frage aufwirft, warum Supie selbst im Laufe der Jahre immer wieder in Gefahr geraten konnte.

 

Hatte ich schon erwähnt, dass die Storys der 50er Jahre teilweise sehr absurd waren? 

Batman/Bruce selbst bekommt hier übrigens bereits Supermans Tarnidentität heraus, scheint das aber im Laufe der Zeit wieder vergessen zu haben.

supie02 1967 01Auch Lex Luthor, der als Gegner angeteast wird taucht in dem ganzen Abenteuer für genau zwei Bilder auf und hat selbst keinerlei Dialog. Allerdings war das auch ziemlich egal, da diese Figur dem deutschen Publikum generell noch nicht vorgestellt worden war.

Erst ein Heft später dann bekam Luthor seine Origin-Story, was natürlich schon etwas seltsam ist.

 Solcherlei Knaller leistete sich die Serie bis weit in die 70er immer wieder, denn obwohl Ehapa offensichtlich den Zugriff auf das komplette DC-Archiv hatte schien in der Redaktion niemand wirklich einen Gedanken daran zu verschwenden, zumindest eine gewisse Chronologie einzuhalten.

Man griff scheinbar komplett zufällig irgendwelche Geschichten heraus – Hauptsache sie passten irgendwie in das 32 Seiten Konzept – und da man versuchte möglichst viele verschiedene Stories unterzubringen, boten sich halt Supermans Freunde eher an als die 18 – 20-seitigen Epen, die in der US-Hauptserie zu dieser Zeit bereits Usus waren.

So lernten die deutschen Fans in den ersten vier Jahren außer dem albernen Mister Mxyzptlk, der gefühlt in jedem sechsten Heft (also analog seines Zyklusses – jedes Mal wenn Supie ihn wieder dadurch dass er ihn zwang seinen Namen rückwärts zu sprechen wurde er für  90 Tage in seine eigene Dimension zurück verbannt) auftauchte, keinen seiner Gegner kennen. Weder der der Kryptonitman oder Brainiac durften Metropolis in diesen ersten Jahren heimsuchen. supie01 1967 01

Dafür durfte sich Jimmy Olsen unter anderem unsichtbar machen lassen, in einen Djinn, Rocksänger oder Superjimmy verwandeln und Lois Lane (neben ihrer schon fast Teeniemässigen Verliebtheit in den Stählernen) sich gefühlt hundert Mal retten lassen, wenn sie nicht gerade in einen Zentauren oder Superlois verwandelt wurde. Ausserdem hatten natürlich Krypto der Superhund und  Supergirls Superkatze und Superpferd einige Auftritte.

Zusätzlich wurde dem deutschen Leser ein Übermaß an „Lois verdächtigt Clark Superman zu sein“-Geschichten zugemutet, die zwar teilweise recht amüsant, aber auf Dauer ermüdend und nicht gerade weltbewegend waren.

Und Batman?

supie04 1967 02Nun ja, seine Abenteuer stammten ebenfalls zumeist aus seiner Frühzeit, was man sehr schnell daran bemerkt, dass sie fast durchgängig noch im Bob Kane-Stil gehalten sind. Dass heisst alle Figuren haben ein außerst kantiges Kinn und sehen sich bis auf Größe und Haartracht ziemlich ähnlich. Zusätzlich fällt bei den frühen Heften gerade beim Feldermausmann deutlich auf, dass die deutschen Comics eine sehr eigene Farbgebung haben. Wie man auf dem nebenstehenden Bild sehen kann wechselte Batmans Kostümfarbe teilweise von einem Bild zum nächsten.

Zusätzlich wurde seine Origin-Story tatsächlich erst in Heft 18 des Jahres 1968, also nach nahezu 50 Abenteuern erstmals erwähnt und zwar in einer Story die aus dem original Batman-Heft No. 47 aus dem Jahr 1948 stammt und in der er am Ende tatsächlich den Täter (nicht den Joker!) stellt.

Supie 24 1968 SchiefgesichtEin anderes - und viel größeres Problem – dieser Anfangszeit der Serie bestand in den deutschen Übersetzungen und hier speziell, wenn es um die Gegner und Superfreunde unserer Helden ging. Zwar hatte man glücklicherweise mittlerweile auf das zusätzlich N bei den diversen Mans verzichtet, aber so ganz traute man der Leserschaft noch nicht.

So wurde zum Beispiel der „Mad Hatter“ zum „Hut-Marder“, was ihm natürlich komplett die Verbindung zu „Alice in Wonderland“ nahm und „Two-Face“ wurde bei seinem ersten deutschen Auftritt (wobei er hier allerdings nur als Bild zu sehen war) tatsächlich mir dem Namen „Schiefgesicht“ bezeichnet.

Beim Riddler war man sich scheinbar nicht ganz so sicher und nannte ihn in der ersten Sprechblase, in der er überhaupt erwähnt wurde 26/68 gleichzeitig „Mr. Sphinx“ und den „Riddler“ und im Verlauf der Geschichte sogar noch als den „Rätselbold“, was aber scheinbar selbst Ehapa zu dumm erschien. Man entschied sich dann für seinen zweiten Auftritt 02/69 zum Namen „Rätselmann“, was nun auch nicht gerade eine Meisterleistung ist. 

Supie 10 1968 SpaßvogelAm allerschlimmsten von Batmans Gegnergalerie erwischte es aber den „Kronprinzen des Verbrechens“ selbst, den Joker, der bei seinem ersten Auftauchen in Heft 10/68 tatsächlich als „Spaßvogel“ verballhornt wurde.

Sicherlich sind das alles rein sinnmäßig keine wirklich falschen Übersetzungen, aber es fühlte sich wahrscheinlich auch damals schon nicht richtig an, in einem Comicheft dessen Haupthelden durchweg englische Namen trugen.

Wo wir gerade von Helden reden, das DC-Universum hat natürlich noch mehr zu bieten, als nur seine beiden „Zeltpfosten“[3] und so verwundert es auch nicht, das auch Ehapa den ein oder anderen davon austesten wollte. So gab es in diesen ersten vier Jahren in einigen Heften unter anderem eine – glücklicherweise jeweils auf eine Seite begrenzte – zusätzliche Serie um die Superschildkröte „Superkrypta“, deren Niveau und Zeichenstil, speziell im Rahmen der Hauptserien, eher einem comichaften Mariannengraben entspricht.

superkrypta

Interessantes Detail dabei:

Bei den frühen „Superman“-Heften legte man, aber das war tatsächlich weltweit so, wenig Wert darauf, die Namen der Zeichner, Texter oder Coloristen publik zu machen. „Super-Turtle“, wie diese kindische Platzverschwendung im Original hieß, erlebte seine Abenteuer aber als One-pager in diversen DC-Comics in den USA und diese Seiten waren halt signiert.

So lässt sich leicht herausfinden, dass Zeichner Henry Boltinoff auch für Serien wie "Charlie Cannonball", "Chief Hot Foot", "Cora the Carhop", "Dexter", "Doctor Floogle", "Doctor Rocket", "Elvin", "Freddie the Frogman", "Hamid the Hypnotist", "Homer", "Honey in Hollywood", "Hy the Spy", "Hy Wire", "Jail Jests" oder "Jerry the Jitterbug"[4] verantwortlich war.

Offensichtlich war der Mann also ein Meister des Subtilen und der Ironie.

supie 8 1968 Zack Legion

Aber zurück zu den wirklichen Helden. Im Laufe der ersten Jahre tauchten natürlich auch bereits Batgirl und Supergirl auf und letztere durfte auch bereits einige eigene Abenteuer erleben. Aber einen wirklichen hefttragenden Superhelden gab es erstmals im Jahr 1968 zu bewundern. Erstmals in Heft 08 in nur einem Bild angeteast, in dem auch die Legion der Superhelden als „Liga zur Bekämpfung von Verbrechen“ bezeichnet wird, konnte man einen Herrn im roten Anzug sehen, der als ZACK bezeichnet wurde. Die, sich über zwei Hefte streckende, Geschichte selbst handelte von einem Anti-Zack, der sich im Verlauf als eine Bizarro-Version[5] des Flitzers herausstellte.

Der „Zack“ selbst wurde in Heft 10 des Jahres dann auch noch zum Coverboy und bekam dort tatsächlich seine Origin-Story präsentiert, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen war, dass der BSV-Verlag mittlerweile in den Hit-Comics, neben den bekannten „Fantastischen Vier“ und „Die Spinne“ eine ganze Reihe weiterer Marvel-Helden auftauchen liess.

Besonders witzig ist hierbei, dass „Zack“ bereits einige Hefte später (genau in Ausgabe 16) zusätzlich auch als ein „roter Blitz“ bezeichnet wurde, was ja einige Zeit später sein Rufname werden sollte. Aber darauf werden wir im zweiten Teil dieses Artikels noch genauer eingehen.

supie 1969 Batman splash

Im Jahr 1969 versuchte man dann mit dem „Martian“ einen weiteren alten DC-Helden hierzulande einzuführen, der als „John Jones der Meisterdetektiv vom Mars“ verhohnepiepelt wurde. Diese – in den 50er Jahren entwickelten – kurzen Abenteuer wirkten allerdings selbst aus der Sichte der späten 60er bereits sehr anachronistisch und verschwanden deshalb nach nur einigen Versuchen recht schnell wieder in der Versenkung.

Generell war dies aber ein Jahr interessanter Experimente, denn man begann langsam damit auch aktuellere Abenteuer zu übernehmen. Das kam besonders Batman zu Gute, da dessen, damals von Gardner Fox gescriptete und von Carmine Infantino gezeichneten, Abenteuer den Charakter nicht nur in eine neue Richtung gehen liessen, sondern vor allem auch visuell einen großen Schritt von Bob (Kinn) Kane wegtrieben. Die Stories um den Fledermausmann brachen plötzlich mit dem Gewohnten, nicht nur die Zeichnungen wurden hübscher[6], die Inhalte orientierten sich näher an der Realität und die starre Panelstruktur wurde zu Gunsten von Splashpages und  ineinander übergehenden Bildern auch einmal aufgebrochen. Die Helden waren plötzlich auch mal in der Lage über die Sinnhaftigkeit ihres Tuns nachzudenken und selbst das normale Leben von Bruce Wayne und Dick Grayson abseits von Bathöhle und Gangsterjagd durfte ab und an mal beleuchtet werden.

supie 11 1969

Auch Superman durfte sich nun endlich in ähnlich modernen Abenteuern austoben. Verantwortlich dafür war das Team mit Zeichner Ross Andru und Texter Leo Dorfman, die unter anderem auch altbekanntes – wie den VirusX, eine Krankheit die für Kryptonier absolut tödlich ist und erstmals Anfang der 60er erwähnt wurde – wieder mit modernen Mitteln aufleben liessen. Speziell die Geschichte um die „Ersatz-Supermänner“ in Heft 10/1969 war dorthingehend recht beeindruckend und tatsächlich der Beginn meiner Superman-Sammlung.

Scheinbar hatte ich auch den richtigen Zeitpunkt erwischt einzusteigen, denn von nun an wurden die klassischen Reprints tatsächlich nahezu ersetzt und man durfte unsere Helden bei wirklich beeindruckenden Abenteuern begleiten. Sicherlich gab es auch noch die ein oder andere „alte“ Geschichte, aber da man sich nun bei Ehapa hauptsächlich bei den aktuellen Hauptserien von DC bediente, die zumeist 18-20 Seiten lang waren, blieb dafür glücklicherweise nicht mehr viel Platz.

Zu gleichen Zeit begann Ehapa auch damit einzelne Superman und Batman-Stories in ihrem Comic-Magazin MV-Comics, dass Dank des Erwerbs der Asterix-Lizenz recht erfolgreich war, zu veröffentlichen. Das führte Anfang der 70er Jahre (um die wir uns im zweiten Teil dieser Mammutserie kümmern werden)  zu einigen leserunfreundlichen Aktionen, die sich sicherlich heutzutage kein Verlag mehr erlauben würde.

 

Schlußbemerkungen

supie01 1966 02Ich gebe es zu – eigentlich wollte ich die alten Comics tatsächlich nur aus rein nostalgischen Gründen mal wieder lesen und nur einen kleinen Artikel über die Absonderlichkeiten verfassen, die speziell in den frühen Ehapas auftauchten. Aber bereits nach  wenigen Ausgaben bemerkte ich, dass sich noch viel mehr hinter den bunten Bildchen verbarg. Ehapas Superman war eine Initialzündung für den deutschen Comicmarkt und öffnete ihn für die bestrumpfhosten Helden, die wir heute so lieben.

Das ich damals zufällig mit einer der besten frühen Superman Stories dort eingestiegen bin kann ich im Nachhinein nur als großes Glück bezeichnen. Ein Jahr früher – als halt fast nur Nachdrucke aus Jimmy Olson oder Lois Lane dort veröffentlicht wurden – hätte mich die Serie nie gepackt. Speziell in der ersten Hälfte der 70er (über die ich in Teil 2 dieser Serie berichten werde) wurden dann einige der besten Geschichten über Superman, Batman und die gesamte DC-Heldenschaft veröffentlicht, die noch dazu von den besten Zeichnern und Textern, die DC jemals hatte, verfasst wurden.

Supie 1068 BizarroTrotzdem bin ich nach dem Genuß von 82 Ausgaben erst einmal etwas „Supermüde“ und werde bis zum zweiten Teil dieser Serie eine kleine Auszeit nehmen. Rechnet also nicht direkt in den nächsten paar Wochen mit einer Fortsetzung – ihr könnt Euch aber sicher sein, dass die kommt, da wir jetzt an einem Punkt in der Zeit angelangt sind, der mir auch persönlich sehr wichtig ist und der mich zu einem großen Teil in meiner Liebe zu Comics geprägt hat.

Zum Abschluß noch einige besondere Bilder aus den bisher gesichteten Ausgaben:

 

 chinamänner superkater
superboy mama

 

dia

[1] Die „Festung der Einsamkeit“ und die „Geheimnisse der Bat-Höhle“ habe ich heute noch hier hängen.

[2] Der verständlicherweise ungenannt bleiben möchte.

[3] Warum soll ich nicht auch ein wenig übersetzen. ;)

[4] Um nur mal willkürlich einige seiner Wikipedia-Einträge zu zitieren – Googeln könnt ihr ja wohl selbst.

[5] Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass das Bizarro-Verse vorher noch nie erwähnt wurde.

[6] Auch wenn Infantino dazu tendierte seinem Batman das typische Adam West Gesicht unter der Maske zu geben.

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