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Bewertung: 5 / 5

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 Mother: Und plötzlich wird der Boden Schwarz

 Mother (2017)

Regie/Buch: Darren Aronofsky

Kamera: Matthew Libatique

Darsteller: Jennifer Lawrence
Javier BardemEd Harris,
Michelle PfeifferDomhnall Gleeson  

 

Disclaimer:

Das hier wird kein Review! 
Falls sich jemand die Frage ernsthaft gestellt haben sollte: „Ja, der Film ist gut, man sollte alles daran setzen den Streifen im Kino zu sehen und sein Gesamtkonzept verbietet jede Form einer Inhaltsangabe.“

Sollte man trotzdem das Bedürfnis haben, sich den Film zu versauen, dann gibt es im Internet bestimmt genug andere Webseiten, die den Job gerne übernehmen. (Einfach mal „Kino“ in die Googlesuchleiste eingeben.)

Jedenfalls werde ich den Film im Kontext eines Lesers, welcher den Film gesehen hat, besprechen. Ab hier gilt folglich eine massive SPOILERWARNUNG

 

Was Darren Aronofsky als Filmemacher in der Kunstform relevant macht, ist eine distinktive Abneigung gegenüber dem Offensichtlichen. Der Mann würde sich wahrscheinlich lieber ein Bein ausreißen, als eine klassische Expositionszene in seine Filme einzubauen. Falls ein Rätsel in einem Aronofsky Film auftaucht, dann kann der Zuschauer zumeist davon ausgehen, dass er auf dieses, auch bei bereits laufenden Abspann, keine Antwort erhalten wírd. Ein Rätsel ist schließlich nur so lange als ein solches zu definieren, bis es jemand löst. Doch was, wenn der Autor doch ohnehin keine Intention hat einem eine Lösung mitzuteilen, ist dann eigentlich Wahrheit? Friedrich Nietzsche schrieb einst es gäbe keine Tatsachen, sondern lediglich Interpretationen. Wenn man diesen Satz als Ausgang nimmt, dann ist die Wahrheit, auch in den Arbeiten Aronofkys, eigentlich nur der eigenen Interpretation der Umstände zu entnehmen.

mother03Wenn man die ,momentan, wie sollte es anders sein, wie Pilze aus dem Boden schießenden, Analysen zu Mother liest, dann findet sich in einem großen Teil dieser Texte das Motiv der verlorenen künstlerischen Autonomie wieder. Ich möchte an dieser Stelle übrigens nicht abstreiten, dass dieses Motiv eines der Hauptthemen des Films ist, schließlich setzt auch das gesamte Marketingdesign auf die Motive der religiös zweckentfremdeten Kunstwerke, würde allerdings anfügen, dass es mindestens zwei, vermutlich allerdings noch bedeutend mehr, große Hauptthemen in dem Film zu lesen gibt. Ich komme zu diesem Schluss zum einen, da ich Aronofsky für klüger halte, als seine einzige Kernaussage quasi aufs Poster zu drucken, und zum anderen, da ich persönlich, von dem was ich im Kino sah, so unvorbereitet, wie man nur sein kann, getroffen wurde.

Ein gute Dreiviertel des laufenden Jahres 2017 habe ich, und dieser Satz fällt mir leider immer noch unerwartet schwer zu schreiben, aufgrund einer klinischen Depression im Krankenstand verbracht. Ich habe also ein Dreivierteljahr fast ausschließlich in zwei Tätigkeitszuständen verbracht. Zum einen habe ich, auf Anraten meiner Therapeuten, viel Zeit mit Schreiben, Lesen, Film, Sport, Malen, Stricken, Museen, Theater, Singen, Musikmachen,  und allem anderen, was einen potenziell davon abhält sich ein beschissenes Messer in die Fresse zu hauen, verbracht. Den Rest der Zeit habe ich damit zugebracht , den Menschen in meiner Umgebung, zumeist leider vergeblich, zu vermitteln, wie ich mich fühle. Kaum eine Krankheit ist für Außenstehende weniger nachfühlbar als eine Depression. Menschen sagen dann gerne so besonders dämliche Sätze wie: „Aber wieso? Du hast doch ein total tolles Leben.“ und: „Aber du willst dich jetzt nicht wirklich umbringen, oder so was?“ oder auch gerne: „Das ist weil Ihr keine Kinder habt“ (sic).

Manchmal wünscht man sich einfach einen simplen Gehirntumor zu haben. „Oh du wirst bald sterben? Das ist Schade! Wir gehen nächste Woche auf die Kirmes.“ Das wäre zwar auch Scheiße, aber meine Umgebung hätte zumindest eine grobe Vorstellung davon, dass ich nicht einfach nur ein wenig Kopfschmerzen hätte. Unverständnis ist für Depression das, was Ausschlag für Masern ist. Manche bekommen mehr, andere bekommen weniger, aber dazu gehört es in jedem Fall.

mother1Mother befasst sich in meinen Augen genau so intensiv mit einer Depression, wie es sich mit dem Künstler, der seine Deutungshoheit über seine Arbeit verliert, befasst. Jennifer Lawrences Mutter-Charakter stellt hierbei das Gegengewicht zu Javier Bardems Poeten dar. Der Poet leidet an einem Writersblock. Er findet Nichts, über das er schreiben kann. Über Ihn findet der gesamte „Intellektual Property“ Arm des Films statt. Der Film selber findet allerdings fast ausschließlich in Close-Ups und POV-Shots der Mutter statt. Wir verlassen Ihren Blickwinkel eigentlich nie. Aus Ihrer Sicht fühlen wir Ihr Leid unter der Situation, dass Ihr Ehepartner lediglich auf die Anerkennung Dritter fokussiert ist. Er ist sexuell nicht an ihr interessiert und behandelt sie auch sonst nicht mit besonderer Zärtlichkeit. Wozu auch, es geht hier schließlich um ihn. In der Zeit, in der er versucht zu schreiben, renoviert sie das Haus. Sie verputzt und bemalt Wände, installiert Spülbecken und hängt Lampen auf. Das Haus soll irgendwann ein Paradies werden.

mother2Wenn man an einer Depression leidet wird die Welt unter Umständen sehr klein. Jede Schritt und jede falsche Handlung kann einen, unter den falschen Voraussetzungen, in ein tiefes emotionales Loch stürzen lassen. Chaos und Unkontrollierbares werden eine reale Gefahr. Idealerweise sind die eigenen vier Wände dann ein sehr sicherer Ort. Man hat nirgendwo mehr Gestaltungsmöglichkeiten der eigenen Umgebung. Das ist an und für sich eine gute Sache. Man neigt allerdings, zumindest ist es in meinem Fall so gewesen, die Außenwelt aus der eigenen Wohnumgebung fern halten zu wollen. Ich habe mich schon noch mit Menschen getroffen, halt nur nicht bei mir zuhause. Bis heute, dürfen nur sehr wenige Menschen in meine Wohnung. Wenn man sich seiner eigenen Fragilität erst einmal in dieser Weise gewahr worden ist, dann erfordert es einiges an Vertrauen, bis Menschen einfach so in den eigenen Safespace dürfen.

Wenn man sich Lawrence's Mutter-Figur, und vor allem in welchen Situationen Ihr die Lage zu entgleiten scheint, im Lauf des Films ansieht, dann findet man eine enorme Parallele zu diesem Verhaltensmustern. Sie möchte Ihren sicheren Ort so schön und abgeriegelt (Ständig geschlossene Türen!) wie nur irgendwie möglich gestalten. Diese Gefüge beginnt zu bröckeln, sobald Fremde in das Haus kommen und Ihr die Kontrolle entziehen. Niemand dieser Fremden sieht es in irgendeiner Art ein, Ihre persönlichen Grenzen zu wahren. Sie zwingen Sie in Stress, an dem einem Ort der davon befreit sein sollte.

mother04Im Rahmen meiner Therapie Arbeite ich mit Hilfe einer Stresslevel-Skala. Diese soll weniger mir, als vielmehr meiner Frau, ein Hilfsmittel sein. Ich persönlich kann ganz gut einschätzen wie es mir geht, allerdings ist meine Lage von Außen nicht eindeutig ersichtlich. Und da die Verdeutlichung dieser Gefühle schwierig ist, verwendet man eine Punkteskala, mit deren Hilfe meine Frau abfragen kann, wie es gerade um mich steht.

Die Idee ist wunderbar und ist, wie bereits gesagt, entstanden, weil eine einfache Beschreibung der Emotionen schwierig bis unmöglich ist.

Genau deshalb hat es mich im Kino so enorm überrumpelt, das Aronofsky die gedankliche Ebenen einer mentalen Erkrankung so punktiert visualisiert hat. Man kann die steigende Anspannung in Lawrence, aufgrund einer stetig nähere Close-Ups setzenden Kamera, ziemlich exakt nachfühlen. Im Rahmen dieser Extremen Nahaufnahmen wird die Umgebung um Sie herum immer unschärfer. Der Zuschauer spürt wie der Druck steigt. Wenn die Belastungsgrenze erreicht ist, dann werden Wände und Boden schwarz. Nichtmal die vertraute und eigentlich sichere Umgebung ist noch unkontaminiert. Schwarz vor Augen und Druck auf der Brust sind übrigens typische Symptome einer Panikattacke. Für diese Fälle hat Sie eine Flasche im Badezimmerschrank. Medikation für emotionale Notfälle ist eine weitere sehr spezifische Referenz. Die Zäsur findet die Geschichte, wenn Sie, von dem Hochgefühl der Schwangerschaft getragen, entscheidet Ihre Notfallmedikation die Toilette herunter zu spülen. (Über Psychopharmaka sollte man wissen, dass ein unkontrolliertes Absetzen von enormen Risiken begleitet wird. Auf diese Weise hat die Welt, neben vielen anderen Menschen auch, David Foster Wallace verloren.) Durch die Entsorgung der Medikamente macht Sie sich verwundbar, und öffnet dem Film die Tore für seine eindrucksvollste Sequenz.

Da die meisten Depressiven-Episoden durch einen Affekt gesteuert werden, empfindet man unter Umständen ein Gefühl, welches ich persönlich als eine Art geistigen Kontrollverlust beschreiben würde. Neben einer enormen Niedergeschlagenheit, entscheidet sich das Gehirn gleichzeitig seine neuste Version des Klassikers „Best of Worst Case“ vorzustellen. Man verbringt zeitweise Stunden damit, sich die unmöglichsten Katastrophen-Szenarios auszumalen. Ein simples Beispiel wäre, dass mich ein unfreundlicher Kassierer, wenn ich mich ohnehin schon sehr schlecht fühle, durchaus davon überzeugen kann, dass mich die gesamte Welt nicht ausstehen kann. Freunde und Familie eingeschlossen.

mother05In der Finalen Sequenz verbindet sich Ihr emotionaler Kontrollverlust mit seinem narzisstischen Geltungsdrang. Ihre Katastrophen-Vorstellung ist getrieben von seiner Einstellung, die Ihre Welt zerstört. Zwei falsche Denkweisen, die sich entgegenstehen. Seine falschen Träume und Ihre falsche Angst ergeben zusammen eine unheilvolle Realität.

Ich würde Mother als einen Appell daran sehen, die eigene Mentale Gesundheit ernst zu nehmen. Wenn man sich seinen eigenen Schaden als Tugend zurecht redet, tut man jemand anderen vielleicht noch etwas viel Schlimmeres an. Partner sollten sich nicht das Herz raus reißen müssen. Nicht mal für die Kunst.


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(USA 2006)

The Omen 666

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Darsteller: Joachim Fuchsberger, Heinz Drache, Sophie Hardy, Siegfried Lowitz, Eddi Arent, René Deltgen
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Das Dorf der Verdammten
/ Het dorp der vervloekten / The Midwich Cuckoos

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Darsteller: , , ,

nach dem Roman „Kuckuckskinder“ von John Wyndham
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Ab heute fürs Heimkino erhältlich

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(USA 1976)

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(USA 1971)

Ratman's Notebooks / Rotat / La revolución de las ratas

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Das Böse / Fantasma / The Never Dead / Morningside

(USA 1979)

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Endlich aus dem Giftschrank befreit und
Jetzt sogar auf Kinotour 

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(USA/GB 2016)
She Who Brings Gifts / Melanie: Apocalipsis Zombi / The Last Girl - Celle qui a tous les dons

Regie: Colm McCarthy

Drehbuch/Vorlage: Mike Carey

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