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sheep quer

Ein klassischer Science Fiction-Roman
und was er uns heute noch zu sagen hat

 

Autor: John Brunner

Erscheinungsjahr: GB 1972 / Deutschland 1978 / Neuübersetzung 1997

 

 

Als ich in den frühen 70ern, so um die 10 Jahre alt, den Schritt vom Heftroman zur „ernsthaften“ Science Fiction machte, waren meine ersten selbstentdeckten Lieblingsautoren Isaac Asimov, Theodore Sturgeon und Ray Bradbury. Bei allem Ideenreichtum und schriftstellerischer Qualität (speziell der beiden letzten), doch Autoren, die eher der klassischen Science Fiction zuzuordnen waren und in deren Büchern oft die Entdeckung des Weltenraumes und Begegnungen mit Außerirdischen oder „Psi-Fähigkeiten“ das Zentrum waren. Auch heute greife ich gerne nochmal zu „More than human“ (dt. Die neue Macht der Welt/ Baby ist drei), löse mit Elijah Baley und R. Daneel Olivaw Roboterkriminalfälle oder vertiefe mich in eine Mars-chronik, aber ab und an braucht man auch mal etwas, was näher an der Realität angesiedelt ist.

Brunner 01Vorhang auf für John Brunner (1934-1995), ein britischer Autor, der bereits Mitte der 1960er begonnen hatte die Strukturen der „normalen“ Science Fiction aufzureissen und seine Romane anders zu strukturieren. Er extrapolierte aktuelle Erkenntnisse aus verschiedenen Wissenschaften 30 Jahre in die Zukunft und entwarf – erzählt in kleinen scheinbar unzusammenhängenden Vignetten – Dystopien, die aus damaliger Sicht überzogen wirkten.

„Sheeps look up“ aus dem Jahr 1972 erzählt von einem Amerika kurz nach der Jahrtausendwende. Innerhalb der Städte ist man draußen gezwungen Schutzmasken zu tragen, Wasser darf man nur noch nach extremer Filterung genießen und vernichtet geglaubte Seuchen breiten sich plötzlich wieder aus und sind gegen alle aktuellen Medikamente immun. An der Spitze der Regierung sitzt ein schwacher Präsident, der in der Hand der Konzerne und dadurch auch der Mafia ist. Er wird nicht müde in seinen Reden immer wieder zu betonen, wie großartig doch Amerika ist.

Ansonsten gibt sich die USA als Engel der Welt und exportiert vor allem künstliche Nahrung in dritte Welt Länder in denen es immer wieder zu Hungerkatastrophen kommt. Plötzlich sind einige Lieferungen mit Drogen verseucht, die dafür sorgen dass sich die Menschen gegenseitig zerfleischen.

sheepcover01Eine Wurmplage breitet sich aus, die dafür sorgt, dass die Landwirtschaft in den USA zum Erliegen kommt. Das trifft besonders den revolutionären Untergrund und ihr Idol Austin Train, die sich „zurück zur Natur“ gezogen haben und nun, aus biologischem Anbau selbstversorgend, große Sorgen haben.

Zusätzlich zum drohenden Bürgerkrieg taucht nun auch noch in Denver die Wahnsinnsdroge auf und Terrororganisationen im Namen von Train verüben Bombenattentate.

Das Buch kämpft über 500 Seiten an unendlich vielen Fronten, präsentiert – in Brunners collagenhaftem Stil – Unmengen an Charakteren und Situationen, die dafür sorgen, dass im Leser ganz langsam ein komplexes Bild einer Welt entsteht, die unter dem Virus Homo Sapiens leidet, aber das Glück hat, dass dieser dabei ist sich selbst zu vernichten.

Zwar konnte Brunner im Jahre 1972 den Höhenflug des Computers für den Heimgebrauch noch nicht vorhersehen und ignoriert Erungenschaften der Technik, die in der „normalen“ Science Fiction eine Grundlage sind, nahezu vollkommen[1], aber die Kernaussage des Buches und seine Schilderungen diverser Katastrophen und ihrer politischen und ökologischen Hintergründe, trifft den Leser hart. Was mir damals in den 80ern als überzogen zynisch und fast schon satirisch düster erschien ist heute erschreckend nah an der Wirklichkeit.

So ist es auch kein Wunder, dass das Buch weder ein Happy End noch den Ansatz einer Lösung bietet, sondern deutlich aussagt, dass die einzige Chance das Chaos zu verhindern bereits vertan ist. Um das Ganze aber aus EVIL Edig positiver Sicht zu sehen, freuen wir uns darüber, dass es 20 Jahre länger als von Brunner vorhergesagt gedauert hat, bis die Menschheit so nahe an einer Katastrophe steht wie in „Sheep look up“.

sheepcover03Vielleicht ist das ja auch ein klein wenig die (postive) Schuld von Brunner und ähnlichen Autoren, die meine Generation damals bereits gewarnt und in die Hände von „Öko-Faschisten“ getrieben und zu „Linksgrünversifften“ gemacht haben.

Jeder, der sich auch nur ein wenig Sorgen um den Zustand unseres Heimatplaneten macht, sollte Brunners Werken (auch seinen Büchern „Stand on Zansibar/Morgenwelt“ und „The Squares of the City/Die Plätze der Stadt“) mal einen Blick gönnen.


Dia

[1] Informationen holen sich die Protagonisten oft über das Radio, Telefone sind stationär und bildlos.




 

 

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