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krynnquer 

Created by: SSI Special Projects Team

Game Development: Ken Humphries, Dave Shelley

Programming: Russ Brown

Music: "The Fat Man", Dave Govett
also available on Amiga and Commodore 64

packshot1988 schrieb die kalifornische Spieleschmiede Strategic Simulations Inc. (SSI) Computer-Rollenspiel-Geschichte. Mit „Pool of Radiance“ war es erstmals gelungen, nicht nur das Regelwerk von „Advanced Dungeons & Dragons“[1] nahezu 1:1 auf dem Heimcomputer umzusetzen, man hatte obendrein auch noch die ideale Erzählform gefunden bzw. ein Spiel geschaffen, das angesichts der damaligen technischen Möglichkeiten eine überzeugende Mischung aus Erkundung und rundenbasiertem Kampfsystem bot und auch heute noch zum Pflichtprogramm für jeden Retro-Gamer gehören sollte.

Allerdings hatte SSI trotz Könnerschaft in der Entwicklung von Strategiespielen die letztlich fatale Vermarktungsstrategie, eine einmal entwickelte erfolgreiche Engine auszureizen bis zum Gehtnichtmehr. Aufgrund der noch nicht allzu weit verbreiteten Heimcomputer warf man eine Unzahl von konzeptuell nahezu identischen Spielen auf den Markt, setzte auf Masse statt Klasse und hoffte darauf, dass die überschaubare Zahl an Gamern wenigstens den einen oder anderen der zahlreichen Titel kaufen würde. Ob „Conflict: Korea“, „Conflict: Middle East“ oder „Second Front“ – das typische Spiel von SSI war ein Fließbandprodukt[2], und nach dem Erwerb der lukrativen D&D-Lizenz behielt man dieses scheinbar erfolgversprechende Konzept kurzerhand bei, was nach einer kurzen Blütephase zum allmählichen Erlahmen des Publikumsinteresses und schließlich zum Niedergang von SSI führen sollte. Dass die Zielgruppe der Rollenspieler – anders als die Fans von Kriegssimulationen – zunehmend Wert auf einen sorgfältig gestalteten Hintergrund, auf ausgefeilte Charaktere, kurz: auf Storytelling und optisch ansprechende Gestaltung legte, übersah man im Rausch des Anfangserfolges hingegen völlig, stattdessen setzte man auf die Formel „more of the same“.

Nach „Pool of Radiance“ erschienen nämlich nicht nur innerhalb weniger Jahre insgesamt neun D&D-Spiele, die die sogenannte Gold-Box-Engine nutzten (benannt nach der goldfarbenen Verpackung) sondern auch noch zwei Rollenspiele im „Buck Rogers“-Universum[3] und mit „Unlimited Adventures“ ein construction-set, das es dem fleißigen Dungeonbauer ermöglichte, seine eigenen Abenteuer zu erstellen.[4] Dass bei einer solchen Flut an Veröffentlichungen Licht und Schatten eng beieinander liegen, sollte daher niemanden überraschen, zumal man die D&D-Lizenz nicht nur für Gold-Box-Titel nutzte, sondern auch allerlei andere teils interessante, teils absurde Versuche[5] ausbrütete, um die diversen fantastischen Welten des D&D-Universums auf den heimischen Monitor zu bringen.

krynn cityNeben den „Forgotten Realms“, die zu den beliebtesten Hintergrund-Settings zählen und in denen bis heute die meisten D&D-Computerspiele beheimatet sind, setzte man bei SSI zu Anfang vor allem auch auf die Zugkraft von Krynn, der von Margaret Weis und Tracy Hickmann erdachte Welt von „Dragonlance“, die insbesondere durch die Romanreihe der „Dragonlance-Chronicles“ gerade ziemlich populär war. Die Spiele „Heroes of the Lance“ und „Dragons of Flame“ unternahmen den Versuch, die Ereignisse des Romans „Dragons of Autumn Twilight“[6] als Actiongame umzusetzen, danach kam mit „War of the Lance“ das passende Strategiespiel und schließlich mit „Champions of Krynn“ das erste richtige Rollenspiel, für das die Gold-Box-Engine ein wenig modifiziert werden musste, um dem auf Krynn gültigen Regelwerk gerecht zu werden.

Und nach langer Vorrede sind wir nun auch endlich mal im Jahr 1991 angekommen, so dass wir uns den zweiten Teil der „Dragonlance“-Trilogie ein wenig genauer ansehen können, denn um ebenjenen sollte es in diesem Review ja eigentlich gehen.

Krynn lord SothDie Handlung von „Death Knights of Krynn“ beginnt ein Jahr nach den Ereignissen von „Champions of Krynn“. Der böse Draconier Myrtani ist besiegt und eigentlich hat sich die Heldengruppe (entweder selbst erstellt, aus dem Vorgänger importiert oder vorgefertigt) nur vor dem Außenposten Gargath versammelt um zu feiern und der Gefallenen zu gedenken. Doch dummerweise hat der böse Lord Soth ganz andere Pläne – womit die Probleme des Spiels bereits anfangen, denn einerseits gibt es zwar einen Bösewicht und viel Arbeit für die Helden, gleichzeitig fällt seine Motivation aber selbst im Rahmen einer Fantasygeschichte überaus dürftig aus. Soth, der gewissermaßen als Darth Vader der Drachenlanze fungiert und im Rahmen der Romane eine durchaus interessante Figur darstellt will nämlich… ja was denn eigentlich? Mal wieder alle unterwerfen und beherrschen.

Achja, das hatten wir ja wirklich noch nie.

Der einzige Unterschied zu anderen Größenwahnsinnigen der Marke Hitolf Adler besteht darin, dass Soth ein mächtiger Untoter ist – ein sogenannter Death Knight, also ein ehemals edler, inzwischen aber von der bösen Göttin Takhisis korrumpierter Ritter. Womit einmal mehr der Faschismus als Ausdruck des Todestriebs entlarvt wird, wenngleich sich die zugrunde liegende philosophische Theorie, wonach die Herrschaft das Beherrschte zum Objekt und damit zu einem leblosen Ding degradiert, lediglich auf den relativ oberflächlich bleibenden Umstand beschränkt, dass Soth Heerscharen an Zombies und Skeletten in den Kampf schickt.

Krynn sir karlSein erstes Opfer war dabei Sir Karl, der in „Champions…“ als Auftraggeber und Mentor der Helden fungierte, dabei ins Gras biss und nun ebenfalls als Death Knight auf einem skelettierten Drachen umherfliegt, außerdem gibt es noch den fiesen Dreadwolf und einige andere knackige Schufte, die in den überaus zahlreichen und zum Teil ziemlich verzwickten, von schräg oben dargestellten Kämpfen bezwungen sein wollen. Und auf diesem taktischen Gemetzel liegt auch eindeutig der Schwerpunkt des Spiels.

Man reist von Stadt zu Stadt bzw. von einem Dungeon zum nächsten, und plättet alles, was sich dort an lebendem und untotem Gelichter herumtreibt, bis man schließlich Lord Soth persönlich gegenübersteht. Das macht zwar auch nach drei oder vier anderen Gold-Box-Games jede Menge Laune (sofern man diese Art von Spielen mag), jedoch ist „Death Knights…“ auch in dieser Hinsicht eine zwiespältige Sache: entweder man freut sich darüber, dass man es thematisch mit dem horrorlastigsten Spiel der Reihe zu tun hat, oder aber man beklagt die stark eingeschränkte Monstervielfalt, denn zugunsten all der Skeletal Warriors wurden die exotischeren Bewohner Krynns ein wenig vernachlässigt.

krynn monster animateMan begegnet beispielsweise nur wenigen Drachen und auch die fiesen Draconians erscheinen nur am Rande. Dies soll nun nicht bedeuten, dass „Death Knights…“ eintönig wäre, aber nach dem gefühlt tausendsten Gefecht gegen irgendwelche Untote, die meistens eine Menge Hitpoints einstecken können und gegen bewährte Zaubersprüche wie die „Fireball“-Allzweckwaffe immun sind, kann man sich ein genervtes Gähnen zum Teil nicht verkneifen.

Außerdem muss man einfach feststellen, dass sich mit dem Spielprinzip der Gold-Box-Engine keine wirkliche Horroratmosphäre erzeugen lässt. Zwar ist der Tod allgegenwärtig, es gibt sogar ein niedliches Dorf, in dem die untoten Bewohner ihren normalen Allerweltsbeschäftigungen nachgehen und die Zombiehühner friedlich auf dem Felde gackern, der Nervenkitzel beschränkt sich aber insgesamt auf die diversen lästigen Spezialfähigkeiten, die das Gelichter im Kampf entfalten kann (u. a. können die Helden paralysiert werden, so dass ein Schlag zur Kampfunfähigkeit ausreicht, oder aber – besonders ärgerlich – man verliert nach Treffern die hart errungenen Experiencepoints und wird mit Level-Verlust abgestraft, was insbesondere für Magier und Kleriker eine unangenehme Sache darstellt weil mächtige Zaubersprüche hohe Stufen erfordern).

krynn ladyObwohl die Story im Grunde genommen einfach nur eine schnell hingesudelte Grütze ist, ein Alibi für das fleißige Gekloppe, hat sie allerdings auch einige nette Einfälle zu bieten. So wird beispielsweise die Beziehung von Sir Karl zur hübschen Maya (ein als Mensch getarnter silberner Drache) zu einem ebenso konsequenten wie tragischen Abschluss geführt und für die Kenner der Romane gibt es gegen Ende sogar ein Treffen mit Kitiara, die hinter dem Rücken von Lord Soth noch ihre eigenen Pläne verfolgt, aber im Wesentlichen war’s das leider und Spieler, die mit der Welt von „Dragonlance“ nicht vertraut sind müssen vermutlich erst einmal im Netz recherchieren, wer das denn jetzt überhaupt war. Um es ein wenig einfacher zu machen: Kitiara ist so eine Art good girl gone bad, im Krieg der Lanze befehligte sie als „Blue Lady“ eine Armee blauer Drachen, Lord Soth war in sie verliebt und entführte sie schließlich mit ungewissem Ausgang. Im Spiel sieht das Ende vom Liebeslied dann so aus, dass Kitiara wohl keine rechte Lust auf den Herrn mit dem schwarzen Helm hatte (dessen Auftritte stets mit einer verhalten an den „Imperial March“ erinnernden Musik erfolgen) und darum gerne den Rod of Omniscience (also das einzige magische Artefakt, mit dem man den bösen Wicht loswerden kann, über dessen sonstige Fähigkeiten man aber ansonsten auch nichts näheres erfährt) in ihrem Besitz hätte.

Krynn figtSo dass es – neben zahlreichen Subquests – die Aufgabe des Spielers ist, aus einem abtrünnigen Gefolgsmann von Soth den Aufbewahrungsort dieses Allwissenheitssteckens herauszulocken. Trotz Bezügen zur Genesis (das Streben nach Erkenntnis ist eben der größte aller Fallstricke; vor allem wenn die Damenwelt noch fleißig mitmischt bzw. das „Verbotene Wissen“ mehr oder minder direkt an die Frau gekoppelt wird – es ist jedenfalls auffallend, dass Sir Karl eine Romanze mit einer „Silver Lady“, also gewissermaßen der mythologischen Mondgöttin in Drachengestalt hat, wohingegen Soth mit seiner Frau in Blau auf den Spuren von David Lynch zu wandeln scheint[7]) bleibt aber auch dieser Aspekt so dermaßen austauschbar und lieblos nach Schema-F hingerotzt, dass es einfach schwerfällt, „Death Knights of Krynn“ zu mögen. Tatsächlich rangiert es in Punkto Einfallslosigkeit und Eintönigkeit auf einem Level mit „Secret of the Silver Blades“, und daran können auch einigermaßen interessante Einfälle wie die Begegnung mit dem Traumhändler, der die Charaktere gegen ihre Alpträume kämpfen lässt, nicht mehr viel ändern.

Krynn statsEndgültig zum Zombie bzw. zur Wiederkehr des Ewiggleichen wird „Death Knights of Krynn“ dann allerdings durch die Tatsache, dass das Spiel bereits 1991 in jeder Hinsicht technisch veraltet war. Wo bereits 1990 mit „Eye of the Beholder“ in grafischer Hinsicht neue Maßstäbe gesetzt werden konnten (wenngleich die Story auch in den Labyrinthen unter Waterdeep mit Abwesenheit glänzte), bieten die Todesritter hässliche EGA-Grafik mit 16 Farben sowie ein Spielprinzip, das nach vier oder fünf gleichartig strukturierten Abenteuern bereits eindeutige Abnutzungserscheinungen zeigte und außer ausgewiesenen Liebhabern der Reihe vermutlich niemanden mehr begeistern dürfte.

So verwundert es auch nicht, dass SSI die Produktion schließlich auslagerte und sowohl „The Dark Queen of Krynn“[8] als auch die „Savage Frontier“-Serie von Tochterfirmen entwickeln ließ, um mit der „Dark Sun“-Reihe einen Neustart mit einer neuen Engine zu unternehmen. Der schleichende Niedergang von D&D auf dem Heimcomputer war damit aber lediglich verzögert, denn der große Paukenschlag, der frischen Wind ins Rollenspielgeschehen bringen sollte kam erst 1998 mit „Baldur’s Gate“ – und das stammt bekanntlich von BioWare.

Alexander

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[1] Die zweite Edition von D&D unterschied den einfachen Regelsatz und die Expertenversion, ab Version 3 fiel der Zusatz „Advanced“ wieder weg.

[2] Für das man den Leuten natürlich trotzdem noch rund 100 Mark abknöpfte.

[3] Das Pen-and-Paper-Rollenspiel „Buck Rogers XXVC“ war eine Variation von D&D und erschien ebenfalls im Verlag TSR.

[4] Die „Unlimited Adventures“-Community ist übrigens bis heute aktiv ( http://ua.reonis.com/ ).

[5] Genannt seien hier der Flugdrachensimulator „DragonStrike“ und das bewundernswert verschrobene, aus heutiger Sicht jedoch nahezu unspielbare „Hillsfar“

[6] In Deutschland netterweise zweibändig als „Drachenzwielicht“ und „Drachenwinter“ erschienen. Inzwischen gibt es die „Chronik der Drachenlanze“ aber auch als Neuauflage.

[7] https://www.youtube.com/watch?v=xi7XwfD6emY

[8] Hier verschlägt es den Spieler auf den Kontinent Taladas und in den ewigen Abgrund ins letzte Gefecht mit Takhisis.


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