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Call of Duty WWII, Battlefield 1
und der Wert von Interaktiven Kriegsmedien

 

 

battlefieldcovercallcoverAls ich noch klein war, hat mein Vater mich nicht mit Plastiksoldaten spielen lassen. Ich vermute das sollte einen lehrreichen Effekt darüber haben, dass man etwas derart furchtbares wie Krieg nicht durch ein „Spiel“ trivialisieren dürfe. Im Rückblick ist das freilich ein sehr nachvollziehbarer Standpunkt.

Im vergangenen Monat habe ich die Singleplayer-Modi von Battlefield 1 und Call of Duty, also namentlich, so weit die furchtbarsten Konflikte der Menschheitsgeschichte betroffen sind, den Vorzeige-Videospielen zum Thema zerstreuende Kriegsführung, gespielt. Schlimmer noch, ich fand im Konsum der beiden Games eine intellektuell stimulierende Erfahrung, die einen durchaus genaueren Diskurs, zur aufkeimenden Thematik der kulturellen Wertigkeit der interaktiven Medien, verdient hat.

Die Budgets und Möglichkeiten von Videospielen haben in den letzten zehn Jahren ein derart enormes Wachstum erfahren, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis man mit einem grob verantwortungslosen „Man schießt halt auf Soldaten, weil das ja nur ein krudes Videospiel ist.“ nicht mehr davon kommen konnte. Mit jedem Zentimeter den sich Echtzeitgrafiken aus dem „Uncanny Valley“ hinauf kratzen, wächst mit der visuellen Qualität auch die Responsibilität derer die Realität mit ihnen abbilden.

BattlefieldI01Um so beeindruckender ist es dann, dass sich Dice den ersten Weltkrieg für Ihren 2016er Shooter Battlefield 1 zum Thema gemacht haben. Während der zweite Weltkrieg in seinen Umsetzungen, übrigens nicht nur im Bereich der Videospiele, stets das zweifelhafte Privileg eines eher klar definierten Bad Guys hatte, läuft die historische Begründung des ersten Weltkrieges meist auf den tödlichsten Penisvergleich der Menschheitsgeschichte hinaus. Wie also erzählt man eine interaktive Geschichte über Krieg, wenn keiner der beteiligten Staaten wirklich eine positive Stellung eingenommen hat?

Battlefield 1 erzählt keine zusammenhängende Geschichte, sondern gründet seine Kampagne auf kurze Vignetten. Kurze Einblicke in den Kriegsalltag. Meist nicht länger gehalten als 24 Stunden. Zum einen gibt dieses Format Dice die Möglichkeit verschiedene Szenarien auf dem gesamten Erdball an den Spieler zu vermitteln, und zum anderen die Freiheit, sich insbesondere den legendären Erscheinungen des ersten Weltkrieges anzunehmen. Man fliegt zusammen mit den wagemutigen Aviatoren in spektakuläre Luftschlachten, lernt die gepanzerten Anzüge der mythischen Arditi in den Alpen kennen und kämpft letztlich sogar an der Seite von T.E Lawrence um die Freiheit Arabiens.

BattlefieldI03Der erste Weltkrieg, und das merkt man dem Game sehr deutlich an, liegt nun so weit zurück, dass wir faktisch keinerlei lebenden Zeitzeugen mehr haben. Wo Call of Dutys Entwicklern die Möglichkeit offen steht, direkte Veteranen nach den Ereignissen dieser Jahre zu fragen, kann das Team um Battlefield lediglich auf die Hinterbliebenen zugehen. Und wie das halt so ist, erzählt man eher ungern die traurigen Ereignisse im Leben eines geliebten Verstorbenen. Und so erzählt Battlefield 1 mehr von den glorreichen Momenten eines dreckigen Krieges. Von Heldentaten und Toden, von unglaublicher Nervenstärke und den einzelnen Schicksalen. Kurz gesagt, Battlefield 1 ist ein Spiel über Geschichten. Man mag jetzt befürchten, dass eine derartige Verklärung eine zu starke Verzerrung der Grausamkeiten dieses Konfliktes bedeuten könnte. Allerdings, bevor all das eben beschriebene Geschichten erzählen beginnen kann, hat Battlefield 1 noch das erste Level. Das erste Level des Spiels bündelt all die unangenehme Bedrückung, auf die man in der Konstruktion des restlichen Einzelspielermodus verzichten musste.

BattlefieldI04In besagten Level übernimmt man hintereinander die Rolle von Fünf Infanteristen, welche 1918 im Flanders Field Frankreichs kämpften. Dem berühmten „No Mans Land“. Bereits auf den Fotos in Geschichtsbuch deutlich als ein durch Menschen geschaffenes Update der Hölle zu erkennen. Die Aufgabe des Spielers an diesem tragischen Ort ist es schlicht längstmöglich zu überleben. Stirbt der Spieler, so werden Name, Geburts- und Todesdatum, des bis eben gespielten Soldaten, eingeblendet. Sobald alle fünf Infanteristen verstorben sind, ist die Mission und das Level geschafft.

Mit Sicherheit nicht die neueste Erkenntnis, über die Schrecken der französischen Fronten, aber eine die in Battlefield 1, ob ihrer Interaktivität, eine neue Form der Eindrücklichkeit erreicht. Auch ein Punkt, den man fraglos gemacht hat, um der etwas leichteren Kost der restlichen Level einen historischen Stachel zu verpassen.

CallWWII02Was uns zu Call of Duty WWII bringt. Der Call of Duty Franchise hat auch bereits in Zeiten geringer Polygonzahlen im zweiten Weltkrieg gewildert. Allerdings noch nie zuvor einer dermaßen schwerwiegend affektierten Weise wie im November 2017.

Call of Duty WWII erzählt die Geschichte eines einzelnen Schicksals. Man begleitet eine Gruppe junger Männer, von der Landung in der Normandie bis zur Überquerung des Rheins. Ähnlich wie Battlefield 1 bezieht sich Call of Duty WWII hierbei auf Interviews, um eine genaue Darstellung der Ereignisse zu gewährleisten. Freilich hat WWII hier den Vorteil noch lebende Teilnehmer des zweiten Weltkrieges ausfragen zu können. Und so malt das Spiel auch eine sehr viel realistischer anmutendes Bild der Ereignisse. WWII ist, was im speziellen für den COD-Franchise ein wahres Novum ist, kein Spiel über Heldentaten. Es ist ein Spiel über Krieg.

Dreckig, anstrengend, moralisch fragwürdig und letztlich wenig glorreich.

CallWWII06Und dabei hätte Call of Duty WWII sich diesen unliebsamen Realismus leicht ersparen können. Die Nazis haben, wie bereits erwähnt, aufgrund Ihrer historischen Grausamkeiten, einen medialen Vorteil als Kriegsbegründung. In den oberen Abteilungen von Nazideutschland waren sehr viele wirklich böse Menschen. Call of Duty WWII nimmt dies zwar auch als Begründung war, setzt die Position derer, die in den Schützengräben der Normandie hockten und auf die man letztlich zu schießen hat, allerdings sehr anders an. Das Spiel lässt einen zu keiner Sekunde vergessen, dass die Menschen auf die man da schießt, letztlich zumeist nur das waren. Ganz normale Menschen.

Speziell im direkten Vergleich mit Battlefield 1 lässt sich diese unterschiedliche Designphilosophie erklären. Einen Mann in Battlefield 1 zu erschießen fühlt sich fast unwirklich gut an. Die Waffen geben ein befriedigendes „Pfumb“ von sich, der Getroffene fällt theatralisch zu Boden. Vielleicht gibt es noch eine leichte Blutwolke. Alles fühlt sich mehr an, wie aus einem John Woo Film. Anders Call of Duty WWII. Töten fühlt sich hier wie ein wirklich grausamer Akt an. Der Getroffene schreit, es ist überall Blut und die Animationen lassen einen nie vergessen, dass die Person hier verrecken wird, wenn der Spieler bereits weitergezogen ist. So machen Shooter selbstverständlich keinen Spaß. Aber Unterhalten ist auch, wenn überhaupt, äußerst selten das Ziel dieses Games.

CallWWII05Und das ist auch genau richtig so.

Ich wiederhole diesen Satz jetzt schon seit einigen Jahren. „Videospiele müssen, ähnlich wie Filme, nicht zwingend Spaß machen um eine bedeutende Erfahrung zu sein.“ Schließlich sagt auch niemand, dass Elephant Man ein schlechter Film sei, weil die Gagdichte zu gering ausfällt. Wenn überhaupt bewegt sich das Massenmedium Videogame zunehmend in eine höhere kulturelle Bedeutsamkeit. Und eine ernste Thematik, wie die der beiden Weltkriege, behandeln zu können, gehört zu dieser Entwicklung dazu. Es gilt schließlich auch zu bedenken, dass viele junge Menschen, egal ob wir das nun wollen oder nicht, Ihre erste mediale Konfrontation mit der komplexen Thematik Krieg, über ebendiese Videogames machen werden. Das ist eine enorme Verantwortung, welcher sich Spiele wie Battlefield 1 und Call of Duty WWII dankenswerter Weise zunehmend bewusster werden.

 

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