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baby driver movie 22

Baby Driver (2017)
jetzt im Kino



Regie/Drehbuch: Edgar Wright


Darsteller: 
,
, , 


Peter Ustinov sagte einmal, dass die Komödie lediglich eine andere Art der Ernsthaftigkeit sei.

Auf keinen modernen Filmemacher trifft diese Weisheit des alten Prince John mehr zu, als auf den britischen Writer und Director Edgar Wright. Ursprünglich durch eine Reihe an Comedy-Filmen, welche gemeinhin unter dem fantastischen Titel „Cornetto-Trilogie“ zusammengefasst werden, und daraufhin mit Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt sowie einem unrühmlichen Kurzaufenthalt bei Marvel-Studios, am Mainstream gescheitert,  fiel dem Autor dieser Zeilen stets eine, für heutige Verhältnisse des seichten Unterhaltungskinos, unübliches Level an Überambition auf. Wo andere Regisseure der Komik bereits mit einem Tree Point Light und statischer Kamera, während Ihre Schauspieler Ihren mehr oder minder witzigen Text aufsagen, zufrieden schienen, legte Wright schon in seiner Debütserie Spaced gesteigerten Wert auf die raffinierteren Kniffe des Filmens. Von Shaun of the Dead bis zu Scott Pilgrim schien er sich mit einer, via dem gewählten Filmgenre definierten, cineastischen Langeweile nie so recht abfinden zu wollen.

Auf der anderen Seite gibt die Komik einem Film, sollte man eventuell an der eigenen Ambition scheitern, eine Art der Absicherung. Sollte Nicholas Angels Frustration auf seiner Fahrt nach Gloucestershire nicht für jeden Zuschauer klar ersichtlich sein, so ist die visuelle Erzählung gescheitert, das Publikum über diesen Umstand allerdings nicht weiter verärgert. Man ist schließlich zum lachen hier und hat ohnehin keinen „richtigen“ Film erwartet. Man Kann viel ausprobieren wenn das Publikum Weniges erwartet.

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Nun hat Wright also Baby Driver geschrieben und gedreht. Ein stilistisch hochgezüchtetes, durch laute Musik getriebenes, Jugend-Crime-Carchase Drama. Irgendwo zwischen Rebel without a Cause, Smokey and the Bandit und Grease. Viel Action aber wenig Humor. Mehr Story aber weniger Zeit für Dialoge. Enorme Fallhöhe, kein Netz und kein doppelter Boden. Letztlich für Wright der mutige Schritt ins „ernste“ Fach. Gespannt beschreibt das Gefühl, mit welchem ich das Kino betrat, nicht einmal im Ansatz.

Was Wright nun abgeliefert hat ist nicht weniger als ein Triumph, für die Kunst des klassischen Kinos. Innerhalb der knapp 113 Minuten Laufzeit spinnt der Film eine Crimestory, welche mit wunderbar liebevoll geschriebenen Charakteren gespickt ist. Wright erzählt eine Geschichte, dessen Komplexität andere Regisseure schnell an die Grenzen einer einzelnen Filmlaufzeit bringen würden. Trotzdem hat man nie das Gefühl einem Element der Story, seien es einzelne Charaktere oder Handlungsstränge, würde nicht genug Aufmerksamkeit zukommen. Diesen Triumph der Erzählstruktur würde ich, einem erwartungsgemäß brillanten Cast (u.a Kevin Spacey und ein wahrlich unheimlicher Jamie Foxx) zum trotz, hauptsächlich Wrights Regiearbeit zusprechen.

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Leider ist die Vermeidung von Dialogen ein Handwerk, dass im Kino der Neuzeit allmählich in Vergessenheit zu geraten droht. In Baby Driver zeigt sich die enorme Macht von visuellem Storytelling in jeder Minute des Films. Wenn es die Möglichkeit gibt eine Emotion oder einen Handlungsablauf effizient und dialogfrei darzustellen, dann wird Wright Sie finden und zur maximalen Wirkung einsetzen. Nicht ein Frame ist jemals schlecht beleuchtet, uninteressant oder verschwendet. Die Art in der jede Information, sei es eine Backstory oder ein Heistplan, auf eine frische und mitreißende Weise vermittelt wird, verleiht dem Film eine ungeahnt frische Dynamik. Sounddesign, Soundtrack und Score tun mit Ihrer kreativen Eleganz, abseits der plakativen Unheilverkündung des „Hans Zimmer Böms“, auch alles erdenkliche um den Film zu lenken. Zeitweise erreichen Ton und Bild eine Symbiose welche an die Stakato-Schnitte Battleship Potemkins erinnert, nur um dann wenig später wieder voneinander weitestgehend unabhängig zu funktionieren. All das geschieht fließend.

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Wenn einem die Idee im Jahr 2017 einen Hollywoodfilm zu sehen, in dem über Strecken bis zu Zehn Minuten nicht gesprochen wird, nicht ins Kino lockt, dann vielleicht der Fakt, dass der Mann, nach über 100 Jahren Filmgeschichte eine neue Art gefunden hat, um Shoot-Outs zu filmen. Baby Driver ist stylisch, actiongeladen, emotional aufrührend, elegant wie Charlene Holt und der frischeste Film des Jahres.

 

Ich habe lange überlegt, ob ich mich auf dieses dünne Eis einer Aussage begeben mag, aber Edgar Wright könnte der momentan handwerklich beste Regisseur der Welt sein.


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Kommentare   

0 # Teile Deine MeinungKonstantin Articus 2017-08-31 23:47
HI, ich teile die Meinung des Kritikers. Da bei amerikanischen Filmen der Kameramann ebenfalls sehr viel zum Film beiträgt, könntest Du Bill Pope in Deine letzte Zeile mit einschließen ;-)
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0 # Keine ÄnderungenFlo 2017-09-01 08:01
Hey Konstantin,

danke für den Hinweis. Ich bin zwar grundliegend gegen nachträgliche Änderungen an Texten, muss allerdings auch zugeben, dass mir Bill Popes Teilhabe an Baby Driver erst durch deinen Hinweis bewußt wurde. Ein Umstand der definitiv dafür spricht, dass Pope hier eine, für Ihn traditionell eher unübliche, Subtilität bezüglich seines Framings an den Tag legt, die man bis dato nicht von Ihm kannte.

Ich werde beim erste Rewatch jedenfalls gezielt drauf achten, da mich diese Weiterentwicklung Popes gerade sehr angenehm überrascht, und bedanke mich für den Hinweis. Eventuell lasse ich das auch in einen etwaigen Text zum Home Release einfließen.
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0 # MinderheitsvotumSören 2017-08-14 22:25
Den Enthusiasmus kann ich nicht so ganz teilen. 8)

Ja der Film ist innovativ was den Einsatz von Musik angeht, aber das war es dann auch schon auch schon größtenteils. Ja auch die Ausgangslage ist eigentlich auch recht solide: Straßenkind gerät an Mafiaboss, der langsam väterliche Gefühle entwickelt. Dazu noch eine schmucke love interest, einen hilflosen Ziehvater und ganz viel Musik die das alles zusammenhält.

Da kann echt was draus werden, aber die Geschichte verzettelt sich in Absurditäten und muss immer weiter ausholen, um irgendwie ein brauchbares Ende zu finden. 10 oder 15 Minuten weniger wären definitiv mehr gewesen. So bleibt letztendlich ein sehr stylisches aber auch recht langatmiges Stück Actionkino mit guten Schauspielern, mäßigen Actionszenen und schlechtem Drehbuch.

Mein Eindruck war am Ende, dass „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ hier sowohl als Vorbild als auch als Beschreibung taugt.
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0 # Perspektivische RelevanzFlorian 2017-08-15 07:54
Da ich den Film hauptsächlich unter den Gesichtspunkten der strukturellen Filmtheorie betrachtet habe, mag die Sachlage für Dinge wie Skript und „Spannung“ zwar wie durch dich dargelegt sein, entzieht sich allerdings für meinen Text einer wirklichen Relevanz.

Nimm mir das nicht aber mir missfällt der Subjektivismus des üblichen „Fazit Doppelpunkt“ Reviews, wie er im deutschen Filmfandom existiert, mittlerweile zu sehr um mich mit derlei persönlicher Empfindung einzubringen.

Es ist die alte Titanic Argumentation. Ich empfinde den Film als langweiligen Mist, finde Ihn allerdings ansonsten in jeder Weise bemerkenswert und handwerklich wundervoll.
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