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(USA 2019)

Regie/Drehbuch: Brett PierceDrew T. Pierce

Kamera: Conor Murphy

Make-Up-FX: Erik Porn

Darsteller: John-Paul Howard, Piper Curda, Jamison Jones
 wretched 005

“Sie will deine Schwester….sie will Lilly.”
„Wer ist Lilly?“


“Wretched” ist eines dieser Worte, das aus dem englischen übersetzt gewaltig an Wirkung verliert. Sicherlich steht es in der reinen Bedeutung in der Liste mit „ekelhaft, unangenehm, elend, erbärmlich oder jämmerlich“ aber, ebenso wie bei den herrlichen Worten „eerie“ oder „creepy“ (und hier meine ich nicht die Warren Magazine, die in den 60ern und 70ern das Medium Horrorcomic abermals revolutionierten) steht der Begriff eher für ein Gefühl des gesamten Unbehagens. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass der deutsche Verleih sich entschieden hat, es gar nicht erst zu versuchen. wretched 001So heisst das neueste Werk der Pierce Brothers, die bereits 2011 mit „Dead Heads“ eine überraschend stimmige Zombiekomödie vorgelegt hatten, nun also hierzulande „The Witch next door“ und verlangt vom Zuschauer nicht nur - zumindest minimale - Englischkenntnisse, sondern auch, dass er es akzeptiert, dass einer der Plottwists bereits im Titel verraten wird und das er selbst darauf kommt, dass es sich hier NICHT um eine 80er Jahre Teeniekomödie handelt.

Manchmal wünscht man sich, dass die für solch einen Schwachsinn Verantwortlichen analog „Game of Thrones“ mit einem Schamlauf über die Düsseldorfer Königsallee bestraft werden.

Aber wir sind ja nicht hier um Hass zu verbreiten, denn das hat der Film ganz ehrlich nicht verdient. Deshalb halte ich mich auch in Bezug auf die Synchronisation zurück und empfehle tunlichst den Film wenn möglich in der OV zu sehen.

wretched 003Der Teenager Ben (John-Paul Howard), verziert mit einem Gipsarm, kommt zu Beginn des Filmes in einem kleinen amerikanischen Touristenörtchens an, in dem sein Vater (Jamison Jones) in den Sommermonaten die Leitung des Sporthafens hat und übernimmt dort einen Job im Bootsverleih. Er freundet sich mit einer lokalen Schönheit an und lernt die - teils skurilen – Bewohner des Ortes kennen, unter anderem auch seine direkten Nachbarn, ein Pärchen mit zwei Jungen, von denen einer um die 4 und der andere noch ein Säugling ist. Nun ereignen sich, neben den üblichen Partyausrutschern, seltsame Dinge. Die Kinder der Nachbarn verschwinden, was niemandem aufzufallen scheint und die Nachbarin selbst benimmt sich sehr seltsam.

wretched 004Wie aus dem deutschen Titel ersichtlich, ist das Ganze das Werk einer „Wurzelhexe“, deren Mythologie ein Mix aus verschiedensten – zumeist europäischen – Legenden ist. Diese lebt, wie ihr Name schon sagt, unter dem Wurzelwerk eines verfluchten Baumes, tötet und ersetzt ihre erwachsenen Opfer und ernährt sich von deren Kindern, die sie dann auch gleich aus der Erinnerung aller Menschen tilgt.

Da ist es vorhersehbar, dass Ben niemand seine Geschichte glaubt, bis es fast zu spät ist.

„Wretched“ überzeugt mit starken Bildern, gut gezeichneten Charakteren und einer gewollt langsamen Erzählweise, bei der sich das Grauen stetig aufbaut. Das ist eine Kunst, die moderne PG13-Grusler scheinbar komplett vergessen haben. Jede Figur wird dem Zuschauer mit kleinen Kniffen nahe gebracht und an Stelle von erklärenden Dialogen setzt das Team um die Gebrüdern Pierce auf die Macht der Bilder und die Intelligenz des Publikums.

wretched 007Da kann es schon einmal passieren, dass eine scheinbar nebensächliche Szene mitten im Satz einer Figur abbricht oder eine Dialogszene nicht so ganz zum Bild oder zur Handlung passen will und dies dem Zuschauer unangenehm auffällt. Dank der nahezu genialen Art in der der Film aufgebaut ist, kommt man über solche Stolperstellen recht schnell hinweg und am Schluß erst versteht man, was wirklich dahinter steckt.

Denn „Wretched“ hat das geschafft was nur ganz wenigen Genrefilmen in den letzten 20 Jahren bei mir gelungen ist, er hat mich mit einigen seiner Plottwists – und davon gibt es, selbst wenn man die Hexe mal abrechnet noch etliche -  kalt erwischt.

wretched 013Ebenso verhält es sich mit den gut gesetzten Schockeffekten, die zwar nicht besonders blutig, aber durchweg unangenehm sind. Sei es nun die an einem Kind nagende Wurzelhexe oder deren „Geburt“ aus einem Tierkadaver, bereits in der ersten halben Stunde gibt es einige Szenen, die den Zuschauer darauf vorbereiten, dass zum Finale hin noch einiges auf ihn wartet. Wenn es dann schließlich dazu kommt ist man – dank der nur als „wretched“ zu bezeichnenden  Atmosphäre – bereits in einem Zustand allgemeinen Unwohlseins, wodurch die gezielten visuellen Scheußlichkeiten noch besser treffen.

wretched 014Sicherlich ist „The witch next door“, den ihr ab dem 13. August 2020 sogar in ausgewählten Kinos bewundern dürft, keine Neuerfindung des Genres und er hält natürlich auch keinerlei Vergleich mit Meisterwerken des modernen Hexenfilms wie „The VVitch“ oder gar „Hereditary“ stand, aber es handelt sich um einen Horrorfilm, der seine Zuschauer und seine Figuren ernst nimmt und sein PG13-Rating (hier in Deutschland wird er „ab 16“ laufen) bis an die Grenze auslotet. Das ist bedeutend mehr, als ich von ihm erwartet habe.

In diesem Sinne:

„Macht Euch ein paar unangenehme Stunden – geht ins Kino“

dia

 

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