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journeyquer

(USA 2012)

Publisher: thatgamecompany

Musik: Austin Wintory

Platform: PS3, PS4

 

Links ein weißer Strich und rechts ein weißer Strich, dazwischen eine gepunktete Linie und ein kleines Quadrat, dass sich mittels der seitlichen Striche über den Bildschirm bewegen lässt. „Pong“ und seine diversen Weiterentwicklungen waren meine erste Berührung mit Videospielen, der Automat, der in den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in einer Eisdiele in meiner Nähe zu finden war, immer von Kids meines Alters umlagert und somit der erste wirkliche Taschengeldsauger.

Mit 13 Jahren bekam ich dann (1975) zu Weihnachten mein erstes eigenes „Telespiel“, dass neben den diversen Pong Varianten – zwei Paddles pro Seite = Fussball – sogar noch ein Tontaubenschießen und das dazugehörige Plastikgewehr bieten konnte.

VGjourney01Dann Atari2600, oder um genauer zu sein bei mir der Intellivision von Mattel, die ersten Gehversuche auf dem VC64, Nintendos erste Konsolen, die 16-, 32-, 64-Bit-Generation, der N64, Playstation, X-Box – Videospiele waren immer ein Teil meines Lebens und meiner Lebensart, was dazu führte, dass ich sogar 1998 nahe daran war für einen Job in der Spieleindustrie in die USA auszuwandern. Hat nicht geklappt – ist ne lange Geschichte, die hier nichts zur Sache tut. Ich wollte mit dieser Einleitung nur klar machen, dass ich mir über die Entwicklungen im Spielsektor sehr wohl bewusst bin und wahrscheinlich alle wirklich relevanten Veröffentlichungen – sowohl in der Spielhalle als auch im Heimbereich – kenne und schätze.

Natürlich sind wir seit „Pong“ weit gekommen und immer wieder gab (und gibt) es Publisher, die Kreativität und Mut bewiesen und versuchten aus einem simplen Videospiel mehr zu machen als nur ein kurzweiliges (aber nicht unbedingt kurzes) Vergnügen. Spiele wie das 1989 erschienene „Kult“, das sich in der Aussenwirkung als simples Point and Click-Adventure präsentierte, aber eine erstaunliche Tiefe in Sachen Geschichte und Erzählweise aufzuweisen hatte oder das von vielen verdammte Spiel zu „E.T.“, dass bei jedem Start mit einem neuen Level-Layout aufwartete und erstaunlich viele Elemente späterer Action-Adventures vorwegnahm. In den letzten Jahren waren es Spiele wie „Vaillant Hearts“ oder vor kurzem erst „Life is strange“, die mich total gefangen nehmen konnten und mir altem Zyniker bewiesen, dass früher halt nicht nur alles besser war. Einen Bericht über einige dieser außergewöhnlichen Spiele findet ihr wenn ihr diesen Link anclickt.

VGjourney05Leider aber besteht das Vergnügen für die heutige Spieler-Generation zumeist aus endlosen Multiplayer-Schlachten mit kinoreifer Präsentation und Bild- und Soundeffekten, die das Spielzimmer vibrieren lassen. Töten und getötet werden im Minutentakt, während man – egal in welchem Genre – die immer wieder gleiche Geschichte vom ewigen Kampf Gut gegen Böse spielt. Das ist auch ok so, auch ich liebe ab und an mal eine Runde Doom (egal in welcher der über die Jahre erschienenen Varianten) und kann mich stundenlang in GTA V vertiefen, wobei das ja nebenher auch noch eine Geschichte erzählt. Aber bei all diesen Multi-Millionen-Dollar-Produktionen, die heutzutage genau so teuer sind wie ein Blockbuster-Kinofilm fehlt zumeist – ebenso wie bei diesen – das Herz und die Kreativität. Sei es nun ein Eshockeyspiel, bei dem man von Jahr zu Jahr mehr Knöpfe und Knopfkombinationen braucht um einfach den Puck ins Tor zu befördern oder das tausendste WWII-Spiel mit noch realistischeren Waffen, Blutwolken und Todessschreien, bis auf die jeweils dem neuestens Standard angepasste Präsentation gibt es im Massenbereich nicht wirklich neues zu entdecken.

VGjourney02Da ist es wirklich gut, dass es noch Indie-Publisher wie "thatgamecompany" gibt, die tatsächlich neue Wege wagen und denen es wichtiger ist, dem Kunden ein gutes Produkt zu präsentieren, als die Kassen zu füllen.

Sicherlich hatte das 2006 gegründete kleine kalifornische Studio bereits 2006 mit seinem Erstling „Flow“, in dem der Spieler einen Einzeller steuerte, einen Achtungserfolg erzielt, aber dieses Spiel liess sich – trotz aller eher musikalischer Präsentation und intuitiver Spielweise – noch auf „fressen und gefressen werden“ reduzieren.

„Journey“ hingegen geht hier andere Wege und präsentiert sich als eine komplett Gewalt-und streßbefreite Reise in und durch eine komplett neue Welt. Der Spieler erwacht zu Beginn, bekleidet mit einer pupurnen Robe und einem kurzen Schal, mitten in einer Wüste und sozusagen im Nichts. Seine einzige Aufgabe ist es zu erforschen, zu er- und in dieser Welt zu leben und sie zu entdecken.

VGjourney04Nichts außer scheinbar endlosen Sanddünen ist in diesen ersten Minuten im Spiel zu entdecken, einzig und alleine in weiter Ferne ragt ein seltsamer Berg in den Himmel auf. In Ermangelung eines sonstigen Zieles macht man sich also auf und entdeckt langsam und ohne Zwang die diversen Spielmechaniken. Man stapft, gleitet oder schwebt über den Sand, findet hier eine Ruine, dort ein seltsames Götzenbild. Sprünge und sonstige Interaktion außerhalb der Wanderung sind abhängig von der Länge des Schals und dessen Leuchtkraft, beides aufladbar mit überall in der Welt zu findenden Symbolen oder durch Interaktion mit anderen Lebewesen, bei denen es sich um eine Art fliegender Rochen handelt. Kommunikation erfolgt durch das Drücken der o-Taste die dann einen Ton und ein willkürliches Symbol in die Spielwelt bringt. Erstaunlicher Weise aber lassen sich somit fast schon komplette Lieder spielen.

VGjourney09So begibt man sich als als einsamer Forscher im Endeffekt nur von A nach B und darf unterwegs einige kleinere Platform Einlagen oder eine Art Abfahrtslauf geniessen. Dabei bleibt man immer auf Sand, aber trotzdem bleibt die Umtgebung immer abwechslungsreich. Goldschimmernd, fliessend, gefroren, trocken, feucht – Sand kann viele unterschiedliche Formen annehmen und alle lernt der Spieler kennen und lieben.

Begleitet wird er bei seiner Reise von einer wunderschönen – und tatsächlich orchestralen Musik von Filmkomponist Austin Wintory, die sich sowohl der graphischen Grundstimmung des jeweiligen Spielabschnitts, als auch dem Spieltempo anpasst. Der einzige „Zwang“, die einzige „Aufgabe“ ist es seine Reise zu beenden, wie lange man dafür braucht, was man währenddessen probiert, ob man versucht alles zu entdecken oder nicht – all das ist von der Spielweise, aber auch von der jeweiligen Stimmung des Spielers abhängig.

Es scheint fast so, als würde tatsächlich nicht das Spiel sondern der Mensch am Controller die bestimende Funktion bei einer solchen „Journey“ übernehmen, aber das ist ja noch nicht alles, was das Spiel zu bieten hat.

VGjourney03Zuerst einmal wäre da die außergewöhnliche Art und Weise zu erwähnen, in der hier der Begriff Multiplayer interpretiert wird. Während der Reise trifft man nämlich – so fern man den Onlinemodus zulässt – tatsächlich auch andere Spielern, die sich gerade in der Welt tummeln, umsehen oder einfach nur herumsitzen und meditieren (was auch eine Möglichkeit ist das Spiel zu geniessen). Bei diesen Begegnungen handelt es sich zwar tatsächlich um echte Menschen, die irgendwo auf der Welt gerade „Journey“ erleben, aber im Gegensatz zu allem, was wir an Mehrspielermodi kennen, sieht man weder ihre Namen, noch kann man mit ihnen „normal“ in Kontakt treten.

Trotzdem ist aber eine Kommunikation und eine Art Zusammenarbeit möglich. Die oben erwähnte o-Taste ermöglicht tatsächlich so etwas ähnliches wie Gespräche und denn man sich jemand anderem nähert beginnen die Schals miteinander zu interagieren, verknoten sich teilweise, schweben in anderen Momenten in perfekter Synchronität nebeneinander. VGjourney06Man kann solche Begegnungen ignorieren, man kann einige Minuten miteinander durch die Welt streifen und sich wieder trennen, man kann aber auch alternativ die gesamte Reise mit seinem/seinen Partnern zusammen erleben. Man kann – man muss aber nicht, denn eigentlich MUSS man in „Journey“ gar nichts.

Letztlich – und da zeigt das Spiel seine ganze Klasse – zählt das Ende von „Journey“ mit zum Beeindruckstensten, was mir in meiner langen Spielerkarriere jemals begegnet ist. In seinen letzten Minuten erst zeigt das Spiel seine wirkliche Klasse. Hier fügt sich tatsächlich alles zusammen und es stört seltsamer Weise ausnahmsweise auch mal nicht, wenn man den fast 5-minütigen Nachspann nicht abbrechen kann, da er sich sowohl in Sachen Bild als auch in Bezug auf die Musik tatsächlich als eine Art Finale entpuppt und den Spieler auf seine nächste Reise einstimmt.

VGjourney10Und die – daran habe ich keine Zweifel – wird er so bald als möglich antreten. Ich selbst habe „Journey“ in den vier Tagen seitdem ich es mir angeschafft habe jeden Abend zur Entspannung benutzt und es wird – selbst wenn man die Welt schon sehr gut kennt - nicht langweilig, weil es niemals den Anspruch hatte nur kurzweilig zu sein.

„Journey“ ist mehr als nur ein Videospiel, es ist eine Erfahrung, die man als Spieler einfach mal gemacht haben muss. Zur Zeit gibt es das komplette Spiel im Playstation-Store für gerade mal 4 € zu erwerben – ihr werdet es nicht bereuen.


Dia


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