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Incubo sulla città contaminata
Großangriff der Zombies
Nightmare City

I/ESP/MEX 1980

Regie: Umberto Lenzi

Darsteller: Hugo Stiglitz, Laura Trotter, Mel Ferrer

 

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Wo die bisherigen italienischen Zombiefilme trotz aller Anleihen bei Romero und Fulci doch Wert auf eine gewisse Originalität legten und eigene Akzente setzen konnten, lieferte Umberto Lenzi rein auf den Inhalt bezogen den ersten kreativen Durchhänger. Wenngleich INCUBO SULLA CITTA CONTAMINATA vom formalen Standpunkt aus natürlich ein wesentlich besserer Film ist als ZOMBI HOLOCAUST oder gar Joe D’Amatos horizontale Inselgymnastik.

nC05Aus einem Atomkraftwerk ist eine radioaktive Wolke entwichen. Den Medien zufolge besteht natürlich kein Grund zur Beunruhigung und der Reporter Dean Miller (Hugo Stiglitz; die mexikanischen Koproduzenten bestanden auf einen Mexikaner in der Hauptrolle) soll am Flughafen einige Wissenschaftler zu diesem Störfall interviewen. Einer reichlich ominösen Hercules-Maschine entsteigen am nächsten Morgen die erwarteten Wissenschaftler – nur richten sie, anstatt brav ein Interview zu geben, ein gewaltiges Blutbad an und schnetzeln sich im weiteren Verlauf des Films durch eine komplette, nicht näher bezeichnete amerikanische Großstadt (in der die Autos spanische Nummernschilder haben).

Was zu Beginn noch nach einer Mediensatire riecht oder zumindest nach einem zivilisationskritischen Katastrophenszenario, wird nach dieser kurzen Einführung zu einem nicht enden wollenden filmischen Amoklauf, denn im Wesentlichen beschränkt sich Lenzi auf zahllose Zombie-Attacken und die Unfähigkeit der Militärs, der Lage wieder Herr zu werden.

nC02Dabei wurden vor allem die Zombies selbst zur Zielscheibe von Hohn und Spott der Kritik. Insbesondere die Tatsache, dass sie anders als bei Romero und den meisten Nachziehern überaus gut zu Fuß sind und neben allerlei Hieb- und Stichwaffen sogar automatische Gewehre bedienen können, sorgte für Erheiterung. Dazu muss man fairererweise aber anmerken, dass es sich wie schon in APOCALYPSE DOMANI nicht um Zombies im engeren Sinne handelt: die „Zombies“ in INCUBO… sind radioaktiv verstrahlte Menschen, denen die roten Blutkörperchen absterben und die diesen konstanten Hämoglobinverlust mittels Vampirismus wieder ausgleichen müssen. Vor diesem Hintergrund ist auch das verbrannte Aussehen der Randalierer zu erklären, die allerdings wie auch die echten Zombies nur durch einen Kopfschuss oder andere Schädigungen des Gehirns zu stoppen sind.

nC06Außerdem haben neuere Filme wie 28 DAYS LATER oder das DAWN OF THE DEAD-Remake gezeigt, dass auch diese schnellen Zombies (oder Verstrahlte oder sonstige Infizierte) durchaus bedrohlich sein können. Zwar fehlt ihnen der Hauch der Unausweichlichkeit, die Gnadenlosigkeit des langsam daherschleichenden Todes, dafür erzeugen sie konstanten Druck und Action. Und an Action ist in INCUBO… jede Menge geboten, denn die Zombies meucheln in diesem Film alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Außerdem gehen sie auch noch reichlich sexistisch vor, denn neben dem eher als Subtext verarbeiteten Vampirismusmotiv reißen Lenzis Zombies den weiblichen Opfern grundsätzlich die Bluse vom Leib und machen sich generell mit deutlich erkennbarer sadistischer Freude ans blutige Werk.

Inmitten dieses allgemeinen Ausnahmezustands reißt Lenzi seinerseits eine Vielzahl sozialkritischer Themen kurz an, allerdings ohne allzu sehr ins Detail zu gehen. Zunächst die Rolle der Medien.

Schon zu Beginn kommt es zwischen Miller und seinem Vorgesetzten zu einer Auseinandersetzung, denn der Chef will eine Beruhigungspille für die Bevölkerung senden, Miller hingegen ist noch ein Journalist vom alten Schlag, der sich der schonungslosen Wahrheit verpflichtet fühlt. Entsprechend wird sein Bericht über das Massaker am Flughafen abgewürgt, denn Presse und Militär (die Regierung glänzt in INCUBO… durchgängig durch Abwesenheit) arbeiten zusammen, wenn es darum geht, die Ereignisse herunterzuspielen. Statt seriöser Berichterstattung gibt es darum ein unsägliches 80er Jahre Fernsehballett – das kurz darauf den Zombiehorden zum Opfer fällt.

nC07Das Militär unter General Murchison (Mel Ferrer) erweist sich allerdings als völlig inkompetent. Als man endlich einen tauglichen Kampfstoff gegen die Zombieplage entwickelt hat ist die Luftwaffenbasis bereits entvölkert, so dass die Kampfflugzeuge nutzlos herumstehen (hier gelingt Lenzi ein sehr beklemmendes Bild). Murchison gelingt es nicht einmal, seine Tochter nebst Ehegatten zu retten, denn die beiden verdrücken sich in Verkennung der Situation in den Urlaub auf dem nächsten Campingplatz (der verdächtig nach Feldweg aussieht) – hier rächt sich die Manipulation der Berichterstattung durch die Autoritäten; allerdings wird dieser Aspekt wie alles andere abseits der ausdauernden Metzelszenen natürlich nicht mehr weiter vertieft.

Miller hingegen versucht zwischenzeitlich, seine Frau (Laura Trotter) aus dem Krankenhaus zu holen, wo sie als Ärztin arbeitet. Doch schon bald tobt auch hier das Chaos, wobei die Zombiebrut neben der Belegschaft auch über die Blutkonserven herfällt. Den Millers gelingt aber mit knapper Müh und Not die Flucht in einem Krankenwagen, die sie schließlich in einen Vergnügungspark führt.

nC09Interessant ist dabei, wie sich die Weltanschauung von Frau Miller radikal ändert. Zu Beginn verspottet sie einen philosophisch veranlagten Patienten, der reichlich plakativ feststellt, dass alle nur noch dem Geld oder dem Vergnügen hinterher rennen, indem sie kontert: „Und warum kümmert sich dann jemand um ihr Bein?“ – nur um im weiteren Verlauf des Films ein ums andere Mal nicht weniger plakativ und aufgesetzt wirkende gesellschaftskritische Sprüche zu klopfen. Da wird dann schon mal das Streben nach Macht zur Ursache der Zombie-Invasion erklärt, die Technikhypertrophie des Menschen, etc., so dass man beinahe zur Vermutung kommt, Lenzi wollte die oftmals verkrampfte Apokalyptik insbesondere linker Diskurse lächerlich machen.

Folgerichtig erweisen sich die Vorkommnisse in INCUBO zunächst auch als ein apokalyptischer Alptraum Millers. Gewissermaßen scheint es für den urbanen Menschen nichts Schlimmeres zu geben, als den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung, des Stromnetzes und des Verkehrs. Bezeichnenderweise geht dem Krankenwagen dann auch der Sprit aus, so dass sich das Ehepaar Miller an einer Tankstelle mit einigen Zombies herumschlagen muss. Das zyklische Ende hingegen macht klar, dass es aus dem Alptraum der zusammenbrechenden Sinnstifungsversuche keinen Ausweg mehr gibt, denn selbst die Religion wird verworfen. Denn anders als klassische Vampire schrecken die Zombies nicht vor Kreuz und Weihwasser zurück, so dass es auch in einer Kirche zu einer unschönen Szene kommt (außerdem hängt dort eine Leiche am Glockenseil, woher kennen wir das?).

nC03Bleibt zuletzt noch die Kunst als untaugliches Mittel zur Krisenbewältigung. Lenzi thematisiert dies in dem kleinen Subplot um Major Warren (Francisco Rabal) und seine Frau: eigentlich wollen die beiden gerade eine Nummer schieben, als Warren aufgrund des Ausnahmezustands in die Zentrale gerufen wird. Vor seinem Aufbruch diskutieren die beiden aber noch über eine ziemlich hässliche Skulptur, die seine Frau angefertigt hat und die den Zombies erstaunlich ähnlich sieht, wobei sie ihre Faszination gegenüber dem Hässlichen nicht so recht erklären kann. Sie sei eine andere, wenn sie derlei Dinge anfertige. Am Ende ist sie dann tatsächlich eine andere, nämlich ein Zombie, und der Major muss ihr eine Kugel durch den Kopf jagen.

Damit sagt Lenzi ziemlich viel über die Ästhetik des Hässlichen und Ekelhaften, die er mit seinem Film verfolgt. Gewissermaßen bringt ein Künstler über sein Werk das zum Ausdruck, was zumindest latent ihn ihm selbst vorhanden ist (laut Lexikon des Internationalen Films „eine Abfolge von Scheußlichkeiten“), die Skulptur deutet also demnach bereits an, dass man aus Mrs. Warren den Zombie nur noch herauskitzeln muss. Dies macht die Zombies ihrerseits zu einem Werkzeug, durch das Miller, um dessen Alptraum es sich ja letztlich handelt, gewissermaßen seine unbändige Wut auf die Gesellschaft artikuliert. Denn die ersten Szenen des Films, die ja noch außerhalb der Traumebene stehen, zeigen a) den verharmlosenden Bericht über die radioaktive Wolke und b) Millers vergeblichen Kampf um objektiven Journalismus. So gesehen ist es nur naheliegend, dass Miller sich sozusagen als Wunscherfüllung den Untergang des gesamten verhassten Systems herbeifabuliert.

Doch was eben noch ein grotesker (Wunsch-) Traum war wird nun grausige Realität, denn am Flughafen wartet bereits ein Flugzeug vom Typ Hercules.

nC01So unbefriedigend dieser zyklische Schluss bzw. die Auflösung des Films als Traum innerhalb eines Traumes auch sein mag, spiegelt sie letztlich doch das Dilemma der ökolinken Weltanschauung damals wie heute wieder. Täglich grüßt das Murmeltier in Form immer neuer, in ihrem Kern aber stets gleich bleibender Weltuntergangsszenarien, ohne dass ein Ende in Sicht wäre.

Ob diese Lesart des Films als autistische Zeitschleife der neomarxistischen Gesellschaftsanalyse von Lenzi tatsächlich so intendiert war, darf allerdings bezweifelt werden. Immerhin verlegt er den Showdown in einen Vergnügungspark und betont dadurch den Funfaktor des Films (Stichwort: Achterbahnkino), außerdem belässt er es in seinem politischen Rundumschlag weitestgehend bei Andeutungen und Stichworten. Die Welt mag am Abgrund stehen, aber in der CITTA CONTAMINATA herrscht Partylaune.

Bedenkt man, wie beliebt südeuropäische Produktionen bei besorgten Zeitgenossen sind, insbesondere wenn nahezu pausenloses Gemetzel herrscht, verwundert die Zensurgeschichte dieses Films ein wenig. Auf Video gab es ihn nämlich ohne Schnitte (allerdings ließ die Indizierung nicht lange auf sich warten) und erst 1996 wurde, ähnlich wie bei Fulcis ZOMBI 2, eine japanische Laserdisc bundesweit beschlagnahmt. Wie solche Raritäten den Weg in die Hände der Staatsanwaltschaft fanden wäre vermutlich ein gutes Thema für ein eigenständiges Buch, denn die Laserdisc war nie ein Massenmedium und an Japan-Importe kam man ohne Internet auch nicht so einfach heran.

Legal erhältlich ist allerdings eine Fassung für Masochisten, für die der Film so stark gekürzt wurde, dass die Freiwillige Selbstkontrolle eine Freigabe ab 12 Jahren vergab. Dies schien selbst dem DVD-Anbieter peinlich gewesen zu sein, so dass man durch eine Doppelauswertung mit Lamberto Bavas UNA NOTTE AL CIMITERO eine etwas angemessener erscheinende FSK 16 sicherstellte.


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