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t2 01

T2 3D (1991/2017)

Regie/Buch: James Cameron

Make Up Effekte: Stan Winston, Ed French

Visuelle Effekte: Dennis Muren (ILM)

Kamera: Adam Greenberg

Musik: Brad Fiedel

Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Edward Furlong, Robert Patrick

 

„Terminator 2 – Judgement Day“ (um einmal den vollen Titel zu benutzen) war für uns „Alte“ damals von einer Erwartungshaltung umgeben, wie es sie selten zuvor gegeben hat. James Cameron hatte sich in den letzten Jahren vom „Wunderkind“ (Terminator, 1984), zum „Actionmeister“ (Aliens, 1986) bis hin zum technischen Genie mit einer Hand für gute Geschichten (Abyss, 1989) entwickelt und die Berichte, die man vor dem US-Start in den diversen Magazinen wie Starlog oder Fangoria fand, waren mehr als nur vielversprechend. Selbst im deutschen Fernsehen gab es bereits in den Wochen vor dem US-Kinostart einige bewegte Bilder zu bewundern und so war es kein Wunder, dass so gut wie jeder aus unserem Bekanntenkreis dem Starttermin mittlerweile entgegenfieberte.

t2 03Allerdings war der Deutschlandstart erst für Ende Oktober 91 geplant, in den USA sollte der Film bereits am 1. Juli (warum wohl...) starten. Ganze vier Monate warten also, das war nichts für uns. Also setzten wir alle Hebel in Bewegung, telefonierten rum und checkten sogar schon mal das ein oder andere BBS über „gekaperte“ Unirechner, um eine Lösung zu finden. Diese lautetet dann Ramstein – und damit war nicht die Band, sondern der gleichnamige US-Stützpunkt gemeint, an dem es gerade einmal 3 Jahre zuvor zu einem Flugzeugunfall gekommen war, bei dem 35 Menschen umkamen.

Wir kannten das, 300 Kilometer von uns entfernte, Örtchen allerdings eher durch das Kino der US-Streitkräfte, die dort in den frühen 80ern stationiert waren. Dort waren wir bereits zu „A Nightmare on Elm Street 2“ (1985) gewesen und hatten den Film dort zum US-Start sehen können.

Die Fragen, die sich stellten waren allerdings:

  1. Gibt es das Kino, speziell in der damaligen politischen Landschaft, überhaupt noch?
  2. Gibts es das Kino, speziell aufgrund der Flugkatastrophe, überhaupt noch?

 

t2 04Wir streckten unsere Fühler aus und ein in der Nähe Ramsteins wohnender Eddie liess uns dann ein aktuelles Programm zukommen. Es lief „Robin Hood – Prince of thieves“ ab dem 14. Juni – also mit US-Start, das Programm für Juli war noch nicht draussen, also ran an die Wählscheibe und die auf dem Programm aufgedruckte Nummer angerufen. Telefonansage – logisch. Während die Ferngesprächskosten wegklackern bekommen wir von einer, hörbar gelangweilten, Dame nicht nur jeden Film mit breitestem Brooklyn Akzent angesagt, sondern auch noch eine Inhaltsangabe und jede einzelne Showtime, mit Preisen für Rang und Loge, erläutert.

Nach einer gefühlten Stunde über Kevin Costners letztes Abenteuer dann:

„Starting on July, 1st - T2“

Das war ein Montag, also konnten wir die Planung beginnen. So kam es also dazu, dass wir am 5. Juli 1991 mit vier vollgepackten Autos voller Filmfreaks den Weg nach Ramstein antraten, wo die meisten sich „T2“ dann auch gleich zwei Mal um die Augen und Ohren pfiffen, ein paar Unverbesserliche sich aber als Zweitfilm Costners Robin gaben. Ja, ich gebe es zu, aber dort war der Deutschlandstart auch noch zwei Monate entfernt und ich mochte Costner damals.

t2 05Aber ich schweife ab – ich wollte ja eigentlich nur darauf kommen, dass der Film uns, trotz unserer kilometerhohen Erwartungen und der Art und Weise, wie es zu diesem Kinobesuch gekommen war,noch überwältigt hat. Denn nicht nur in Bezug auf die, damals einzigartigen, Spezialeffekte und die damit verbundene Revolution des Blockbusters in den frühen 90er Jahren, war „T2“ richtungsweisend. Er zeigte auch, das ein Actionfilm nicht einfach nur eine Ballerorgien sein musste („Raw Deal“ hüstel), sondern durchaus auch eine interessante Geschichte und „lebendige“ Figuren präsentieren konnte. Natürlich hatte James Cameron nach seinen drei Erfolgen in Serie, sozusagen Narrenfreiheit, was die Produktionskosten anging und so investierte er, wie schon bei „The Abyss“ zuvor, einen Großteil des Budgets in die Entwicklung neuer Techniken, was dem Film dann auch vier wichtige Technikoscars, unter anderem für Stan Winston und Dennis Muren einbrachte.

Spätestens seit dieser Zeit kann man sich darauf verlassen, dass Cameron mit jedem neuen Film auch wieder eine technische Revolution anstösst. Bei „Titanic“ waren es die nahezu perfekte Wasseranimation und natürlich der 45-minüte Untergang des Luxusliners, bei „Avatar“ war es die Wiedererfindung des 3D und deshalb hat es sich der Meister auch nicht nehmen lassen, die gestern, 20 Jahre nach dem im Film angesetzten Judgement day, dem 29. August 1997, zur weltweiten Aufführung gelangte 3D-Version, die unter der Federführung von StudioCanal erstellt wurde, selbst zu überwachen.

t2 02Ich selbst hatte den Film dann noch zwei Mal in der Originalfassung in Holland gesehen, danach die britische Kaufcassette weichgenudelt und schließlich die Ultimate Edition in der ersten US-Version auf DVD gekauft und von da an nur noch in der langen Fassung gesehen. Man kann also sagen, ich habe den Film mittlerweile oft genug gesehen, um ihn mitsprechen zu können. Sicherlich bin ich mir der diversen Logiklücken bewusst und habe auch an der Art und Weise wie Brüderchen Zufall große Stücke des Drehbuch mitschreibt etwas auszusetzen, aber als Actionkanonade mit etlichen großartigen Effektszenen und einem erfreulich gelungenen humoristischen Unterton, ist er einer der Filme, die ab und an einfach nur nebenher laufen.

Heute dann also nach mehr als 25 Jahren wieder auf der Leinwand, zusätzlich noch in 4 K ge-remastered und in digital hinzugefügtem 3D.

Ich hatte wirklich Angst davor, denn seien wir doch mal ganz ehrlich, wir sind mittlerweile 25 Jahre von diesem Effektstandard entfernt. Ich war mir nicht so sicher, ob ich jedes – auf dem Fernseher verschluckte – Detail wirklich sehen wollte. Ebenso wenig behagte mir der Gedanke an eine 3d-fizierte Version, denn ich habe mittlerweile ein Auge dafür entwickelt, was „echtes“ und was „nachbearbeitetes“ 3D ist und letzteres sorgt dann immer dafür, dass ich nur noch „mit einem Auge hinsehe“.

t2 08Aber gut, wenn man dann einmal nach 27 Jahren die Chance hat, dann nimmt man sie auch wahr und ohne zu viel zu verraten, bereut habe ich den Einsatz von 12,50 € nicht, auch wenn der erste Schock ziemlich tief saß, da uns nur die synchronisierte Fassung angeboten wurde. Das war eine gewaltige Umstellung, hatte ich den Film doch tatsächlich noch nie in Deutsch gesehen und eines ist nach dieser Vorstellung sicher, das werde ich auch niemals mehr. Allerdings schmälert das den Filmgenuss nur marginär, ist doch „T2“ nicht gerade wegen seiner intensiven dramatischen Dialogpassagen in die Filmgeschichte eingegangen. Doch Zeilen wie: „Nimm die linke abseitige Rampe“ als Übersetzung für „Take the left ramp off“ sind schon gewöhnungsbedürftig und die piepsige Kleinjungenstimme, die man Edward Furlong verpasst hat, geliert auch nicht mit dem rebellisch/gebrochenen „Teenietum“ der Figur.

Über den Filminhalt brauche ich ja wohl kein weiteres Wort verlieren. Wir bekommen hier die normale Kinofassung geboten, die ich seit der Veröffentlichung der Langfassung nicht mehr gesehen hatte und ich war überrascht, wie viel „runder“ die lange Fassung tatsächlich ist. Leider wird aber auch auf BluRay 3D nur die Kinofassung erscheinen, allerdings als Extras die Langfassung beinhalten.

t2. 06Womit wir einen eleganten Schwenk zum Thema 3D gemacht hätten. Cameron ist ja ohnehin ein sehr „plastischer“ Filmemacher, der gerne Mal Objekte seitlich unscharf in Richtung Kamera hält oder seine Bilder so blockt, dass immer ein Vorder-, Mittel- und Hintergrund zu sehen ist. Mit dem für diese Arbeit Oscar-nominierten Adam Greenberg hatte er auch einen Kameramann dabei, der es verstand mit dieser Art der Bildkomposition umzugehen und es beherrschte die Bildschärfe immer im für den Zuschauer wichtigen und/oder interessanten Bereich zu halten. Zusätzlich liebt es Cameron auch Gegenstände in Richtung Kamera zu bewegen/fliegen zu lassen, so dass „T2“ schon in der flachen Fassung erstaunlich tief wirkt.

Die 3D-Konversion ist diese Mal dann zusätzlich auch noch so sehr gelungen, dass ich keine Silouettenmännchen oder –gegenstände ausmachen konnte. Jede einzelne Einstellung wirkt „echt“ und jeder Gegenstand und jedes Gesicht „rund“ und durch die oben belobte Arbeitsweise des Teams Cameron/Greenberg sieht „T2“ tatsächlich so aus, als wäre er nicht nur IN sondern vor allem FÜR 3D gedreht worden. Allerdings zeigen sich auch einige Schwachpunkte, speziell, wenn es um die diversen Verflüssigungseffekte des T1000 geht, die durch die Dreidimensionalität sehr Künstlich/plastikmässig wirken.

t2 09Der Film gewinnt aber tatsächlich durch die Plastizität noch mehr an Wucht und zeigt deutlich, dass es nun also möglich ist, jeden Film dreidimensional hochzurechnen, wenn man eine gewisse Sorgfalt walten lässt. Ob das nötig ist sein noch dahingestellt und die derzeitige Marktlage von 3D-Technik macht nicht den Eindruck, als wäre das eine große Einahmequelle, aber es wäre schon interessant (selbst wenn man mich jetzt als Ketzer beschimpft) „Citizen Kane“ mal in einer so aufwendigen 3D-Bearbeitung zu sehen, da sich dessen visueller Stil auch sehr gut in die dritte Dimension umsetzen lässt.

Zum Schluß noch zur Überlegung, ob sich ein Kauf lohnt, wenn der Film am 26. Oktober bei Koch Media als 3D-BluRay erscheint. Ich würde sagen JEIN, denn einerseits gewinnt der Film tatsächlich dazu, aber andererseits ist die lange Fassung erheblich runder und beinhaltet viele meiner Lieblingsmomente. Ich selbst schwanke noch und warte auf genauere Infos betreffs der Extras.


 

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