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db04Deadly Blessing (1981)

Tödlicher Segen/
Die Gesichter des Teufels

 

Regie: Wes Craven († 2015)

Musik: James Horner († 2015)

Darsteller: Ernest Borgnine († 2012), Maren Jensen,
Sharon StoneMichael Berryman

Bereits auf DVD/BluRay erhältlich

 

Ja, ich bin alt.

Als ich „Deadly Blessing“ zum ersten Mal sah, war das für mich der dritte Film von Wes Craven nach „Last House on the left“ (der in Deutschland mit dem herrlich doofen Titel „Mondo Brutale“ gesegnet wurde) und „The Hills have Eyes“ (aus dem bekanntlich der „Hügel der (?) blutigen (?) Augen“ wurde). Entdeckt hatte ich das kleine Werk in unserer englischen Videothek, übrigens gleichzeitig mit "Superstition“/ "The Witch", den Chrischi ja letzte Woche erst im Rahmen der Slasher-Box besprochen hat. Um es mal zurückhaltend auszudrücken – es war einer dieser Filmabende, die durchweg positiv in meinem Gedächtnis geblieben sind.

db07„Deadly Blessing“ überrascht bereits zu Beginn damit, dass er nahezu wie ein Drama inszeniert ist und die Geschichte eines Mannes erzählt, der sich von der tiefreligiösen, den Amish ähnlichen, Sekte, in der er aufgewachsen ist, losgesagt und eine Städterin geheiratet hat. Verbunden mit der Gegend seiner Kindheit und natürlich Farmer lebt er nun in direkter Nachbarschaft der vom fanatischen Isaiah Schmidt (Ernest Borgnine) geleiteten Gruppe und wird immer noch von ihnen drangsaliert. Bereits 15 Filminuten später wird er vom eigenen Traktor überfahren und der Focus wechselt zu seiner Witwe (Maren Jensen), die nun fortan unter der nicht vorhandenen Zuneigung der Sektenmitglieder – allen voran der des nicht gerade hübschen William (Michael Berryman) – zu leiden hat. Zur Ablenkung und Unterhaltung lädt sie sich zwei Freundinnen (unter anderem Sharon Stone in ihrer ersten großen Rolle) ein. Von nun an schwenkt der Film in eine eher gruselige Richtung, Isaiah und seine Gang beginnen den Mädels mit der kommenden Rache des „Incubus“ zu drohen, Sharon Stone bekommt einige wirklich schockierende Alpträume und es kommt zu einer Reihe seltsamer Todesfälle und zu einigen Mordversuchen.

db03Wie üblich würde es sehr den Spaß an diesem düsteren Gruselthriller verderben, wenn ich jetzt noch genauer auf die Handlung eingehen würde, denn Cravens Frühwerk bietet doch einige Überraschungen. Die erste davon ist natürlich wie „unblutig“ und überwiegend „gewaltfrei“ Blessing daherkommt, war man doch von seinen ersten beiden Filmen durchaus anderes gewohnt. Sicherlich hatte er auch zuvor den TV-Film „Stranger in the House“, über den wir jetzt mal das Mäntelchen des Schweigens legen, ebenfalls recht subtil inszeniert, aber dort war nichts vom heute bekannten Wes Craven zu erkennen. „Deadly Blessing“ hingegen erweist sich als eine Art Blaupause für viele spätere Stilmittel des Regisseurs. So finden sich hier perfekt inszenierte und funktionierende „Jump-Scares“, einige überraschend effektive Alpträume und sogar die ein oder andere Sequenz, die später nahezu bildgetreu in seinen anderen Filmen auftauchen sollte.

DB01Trotz allem sticht der Film aber schon dank seines Setting und seiner ganz eigenen Atmosphäre aus Cravens sonstiger Filmographie heraus, was zum großen Teil wohl auch daran liegt, dass hier eine Cast und Crew zusammenkamen, die man bereits wenige Jahre später sicher nicht mehr für einen solch billigen Horrorfilm engagieren hätte können.

Das beginnt schon mit dem großartigen Ernest Borgnine in der Rolle des Sektenführers. Sicherlich mag man sein Augenrollen und seine überzogene Mimik für „Overacting“ halten, aber jeder, der schon einmal im realen Leben mit religiösen Fanatikern zu tun hatte wird das anders sehen. Man glaubt Isaiah seinen Glauben und ist überzeugt von seiner Überzeugung.

Auch Maren Jensen, die einen großen Teil des Filmes tragen muss bietet eine große Leistung, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie zuvor nur eine Stammrolle in der Original „Battlestar Galactica“-Serie hatte und ihre Karriere nach „Deadly Blessing“ beendete. Überraschender Weise machte das ihre Kollegin Susan Buckner genau so – eine kleine Rolle in „Grease“, ein paar Auftritte im TV und dann – nach "Deadly Blessing", nichts mehr.

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Bei anderen Beteiligten hat der Film allerdings durchaus positive Folgen gehabt. Für Sharon Stone zum Beispiel war es die erste größere Rolle und auch wenn sie hier nicht gerade durch schauspielerische Leistungen sondern eher durch ihre Oberweite glänzt, wurde zumindest das Fernsehen so auf sie aufmerksam und verschaffte ihr durchgehend Arbeit. Für Komponist James Horner war „Deadly Blessing“ ebenfalls ein Meilenstein und wenn man den Score heute hört, bemerkt man viele Elemente seines zukünftigen Stiles.

So ist es doch sehr verwunderlich, dass dieser interessante Film so lange unentdeckt blieb. In Deutschland kam er erst 1984 auf den damals überfüllten Videomarkt und konnte sich weder als „Die Gesichter des Teufels“ (wer denkt sich sowas aus?) noch als gut übersetzter „Tödlicher Segen“ richtig durchsetzen – zumal die Verleiher übersehen hatten, dass es sich beim Regisseur um den des gerade im Kino erfolgreichen „A Nightmare on Elm Street“ handelte. Einige wenige TV-Ausstrahlungen im PayTV Anfang dieses Jahrtausend machten ihn auch nicht so wirklich zum Renner, eine extra zu diesem Zweck angefertigte Synchronisation raubte ihm auch noch komplett seinen Charme.

db05Auch international wurde „Deadly Blessing“ über Jahrzehnte under „ferner liefen“ gelistet, erst die grandiose BluRay Veröffentlichung von „Shout Factory“ aus dem Jahr 2013 und leider auch der Tod von Wes Craven im Jahr 2015, brachten den Film wieder ins Bewusstsein der Fans. Die „Shout Factory“ Scheibe ist nun auch die Grundlage der aktuellen Veröffentlichung von Koch Media und so finden sich hier auch die kompletten Extras derselben. So gibt es einen Audiokommentar mit Wes Craven, in dem der „Horror-Professor“ einige wirklich tolle Anekdoten von Dreh erzählt und auch einen Blick in die Zukunft wagt, was natürlich im Wissen um seinen zu frühen Tod etwas gruselig wirkt. Großartig und (mit einer Dauer von bis zu 21 Minuten) erstaunlich lang, sind auch die Interviews mit Susan Bruckner, dem unverwechselbaren Michael Berryman, Effektman Johnathan (John) Naulin und den Drehbuchautoren, die den Audiokommentar tatsächlich um einige interessante Details ergänzen. Zusätzlich gibt es auch noch eine Sammlung von Trailern, diversen Radio- und TV-Spots und eine große Bildergalerie mit Werbematerial.

Bei der mir vorliegenden DVD allerdings ist die Bildqualität, sagen wir mal, berauschend. Speziell in Szenen mit graublauem Himmel gibt es mehr als reichlich flimmerndes und sich extrem bewegendes Filmkorn. Das ist nahezu unerträglich und ich kann nur hoffen, dass es sich dabei um Artefakte des Runterkonvertierens der BluRay handelt. Da sah die alte DVD aus dem Jahr 2008, die ich zum Vergleich herangezogen habe noch besser aus. Ich rate also ausdrücklich vom Kauf der DVD ab und empfehle jedem Interessierten direkt zur BluRay zu greifen.

„Deadly Blessing“ ist ein vergessenes Meisterwerk, dass auf die Entdeckung durch Euch wartet und neben „The Serpent and the Rainbow“ der vielleicht persönlichste Film des Regisseurs.  

dia

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